Neuer Rekord: So queer war der Nationalrat noch nie

Mindestens vier LGBT-Abgeordnete aus drei Parteien

Nationalrats-Sitzungssaal
Parlamentsdirektion/Johannes Zinner

Österreich hat am Sonntag einen neuen Nationalrat gewählt. Das Ergebnis hat viele überrascht: Die ÖVP gewinnt mit dem höchsten Abstand, den die stimmenstärkste Partei je gehabt hat, die Grünen ziehen mit dem besten Ergebnis ihrer Geschichte zurück in den Nationalrat. Und trotz der Krise der SPÖ wird es wahrscheinlich das queerste Parlament, das Österreich je gesehen hat.

Mindestens vier offen schwule und lesbische Kandidaten werden – je nachdem, wie stark ihre innerparteiliche Position ist, die Anliegen der sexuellen und geschlechtlichen Minderheiten vertreten. Mehr als unsicher ist derzeit übrigens der Einzug des SPÖ-Abgeordneten Mario Lindner, der in der letzten Legislaturperiode die Anliegen der Community vertreten hat.

Nico Marchetti (ÖVP)

Er scheint keine Vorliebe für den einfachen Weg zu haben: Nico Marchetti ist Obmann der ÖVP Favoriten – bei den letzten Wahlen musste sich die Partei dort der übermächtigen SPÖ und einer sehr starken FPÖ geschlagen geben.  Letztere hat die ÖVP jetzt überholt. Mit seinem Partner ist er nicht nur auf dem Regenbogenball zu sehen, sondern auch auf Parteiveranstaltungen. Außerdem ist Marchetti Landesobmann der Jungen ÖVP Wien – also genau jener Organisation, in der sich auch Sebastian Kurz seine Machtbasis aufgebaut hat.

Ewa Ernst-Dziedzic (Grüne)

Ewa Ernst-Dziedzic hat in den letzten zwei Jahren als eine von zwei Bundesräten die Flagge der Grünen im Parlament hochgehalten – nun zieht sie in den Nationalrat ein. Die studierte Politikwissenschafterin wurde 1980 in Polen geboren und migrierte im Alter von zehn Jahren nach Österreich. Ihre Karriere bei den Grünen begann sie 2008 als Referentin im Grünen Parlamentsklub und Aktivistin bei Grüne Andersrum, seit 2014 ist sie auch Sprecherin der Grünen Frauen Wien. Für die Community setzte sie sich unter anderem im Vorstand der Vienna Pride ein, dem sie mittlerweile nicht mehr angehört.

Faika El-Nagashi (Grüne)

Faika El-Nagashi wechselt vom Wiener Gemeinderat in den Nationalrat. Seit 15 Jahren arbeitet sie in der Integrations- und Migrationspolitik. Ihre Diplomarbeit schrieb sie 2009 über migrantische Sexarbeiterinnen. Die Politologin mit ungarisch-ägyptischen Wurzeln hat langjährige Erfahrung in den Themen Frauen-/Migration, Frauenrechten, Entwicklungszusammenarbeit sowie bei LGBTIQ*-Rechten. So war die in Budapest geborene El-Nagashi unter anderem 2012 einige Monate lang beim europäischen Dachverband ILGA-Europe tätig.

Yannick Shetty (NEOS)

Er gilt als pinke Zukunftshoffnung. Seine Karriere begann Yannick Shetty in der Jugendorganisation JUNOS, erste Sporen verdiente er sich 2017 als Spitzenkandidat bei den ÖH-Wahlen und Tiroler Wahlkampfkoordinator für die Nationalratswahl im gleichen Jahr. Seit 2015 ist er außerdem Klubvorsitzender in der Bezirksvertretung Wien-Josefstadt. Nebenbei ist er noch juristischer Mitarbeiter in zwei großen Wiener Anwaltskanzleien – eine Arbeit, die er als Nationalratsabgeordneter wohl aufgeben wird.

Hinweis: Dieser Artikel wird bei Bedarf aktualisiert