Südkoreanische Trans-Soldatin wehrt sich gegen Rausschmiss

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Ihren Militärdienst hat eine junge Transfrau aus Südkorea noch als Mann begonnen. Doch nach ihrer Geschlechtsanpassung im letzten Jahr wurde die 22-Jährige Byun Hui-soo aus der Armee geschmissen. Jetzt wehrt sich die Unteroffizierin vor Gericht dagegen.

Männer müssen dienen, Trans-Personen dürfen nicht

Für Männer gibt es in Südkorea eine Wehrpflicht, Trans-Personen ist der Militärdienst verboten. Allerdings gibt es keine Regeln dafür, wie mit Armeeangehörigen umzugehen ist, die ihr Geschlecht während der Dienstzeit anpassen lassen.

Genau das hat die 22-Jährige getan: Während ihres Urlaubs im November hat sie sich in Thailand einer geschlechtsangleichenden Operation unterzogen. Bei den Streitkräften wollte sie aber bleiben. Doch ein militärisches Ärzteteam stufte die Transfrau aufgrund ihrer fehlenden männlichen Genitalien als „Person mit Behinderung“ ein.

Ohne Penis ist die Trans-Frau für die Armee eine „Person mit Behinderung“

Nun kam ein Prüfungsausschuss zu dem Schluss, dass eine Geschlechtsanpassung während der Dienstzeit ein Grund für eine Entlassung sei, so die Streitkräfte. Und das taten die Streitkräfte auch: Die junge Unteroffizierin, die sich derzeit in einer Militärklinik befindet, musste die Armee gegen ihren Willen verlassen.

Dabei hat die Nationale Menschenrechtskommission Südkoreas dem Armeechef noch am Dienstag empfohlen, das Zusammenkommen des Ausschusses zu verschieben, wegen möglicher Diskriminierung und Auswirkungen auf die Rechte der Soldatin.

Doch das  hat die Armee nicht gekümmert: Die Entscheidung zur Entlassung sei in Übereinstimmung mit den relevanten Vorschriften einschließlich des Gesetzes über Militärpersonal und auf der Grundlage der medizinischen Untersuchung getroffen worden, heißt es in einer Mitteilung.

Nun will sich die betroffene Soldatin wehren

Doch das letzte Wort könnte noch nicht gesprochen sein: Wie die BBC berichtet, hat Byun in einer 45-minütigen Stellungnahme angekündigt, sich gegen die Entscheidung zu wehren: „Ich werde weiterkämpfen, bis zu dem Tag, an dem ich bleiben kann, um der Armee zu dienen. Ich werde die Entscheidung bis zum Ende anfechten, bis zum Obersten Gerichtshof.“

Sie habe zunächst keine geschlechtsanpassende Operation machen wollen, diese sei ihr von den Ärzten in einem Militärspital empfolhlen worden. Dort war sie wegen psychischer Probleme, die Folge ihrer Gender-Dystrophie waren.

Ihre direkten Vorgesetzten haben sie bei der Entscheidung sogar bestärkt

„Ich dachte, ich könnte meinen Armeedienst beenden, dann die geschlechtsangleichenden Operationen machen und dann als Soldatin wieder in die Armee eintreten. Aber meine Depressionen wurden immer schlimmer“, so die 22-Jährige.

Dass sie nach der Operation die Armee verlassen würde, habe sie sich nicht vorstellen können: Denn im Spital haben sie ihre Vorgesetzten besucht und mit ihr darüber geredet, wo sie nach dem Eingriff eingesetzt werden könnte. Sie hätten Byun auch gesagt, sie könnte ein Vorbild für LGBT-Personen in der südkoreanischen Armee werden.

Das südkoreanische Militär ist für seine LGBT-feindliche Haltung berüchtigt

Schon in der Vergangenheit war das südkoreanische Militär immer wieder durch eine LGBT-feindliche Haltung aufgefallen. Im Jahr 2017 landeten mindestens 32 Soldaten vor dem Militärgericht, weil sie schwul sind. Im Militär kann einvernehmlicher schwuler Sex mit Haftstrafen bis zu zwei Jahren bestraft werden.

„Um die militärische Gemeinschaft sicher zu halten und aufgrund der speziellen Art militärischer Disziplin werden sexuelle Beziehungen mit Soldaten des gleichen Geschlechts als ‚unehrenhafte Tat‘ nach dem Militärgesetz bestraft“, so das südkoreanische Verteidigungsministerium damals.