Kamerun: Fünf Jahre Haft für zwei trans Frauen

Nun müssen sie im Gefängnis um ihr Leben fürchten

Shakiro und Patricia
Shakiro/Facebook

In Kamerun geht die Justiz mit Gesetzen gegen Homosexualität gegen transidente Menschen vor: So hat ein Amtsgericht zwei trans Frauen zu je fünf Jahren Haft und einer Geldstrafe von 200.000 Franc, umgerechnet 305 Euro, verurteilt. Sollten sie die Geldstrafe nicht bezahlen können, wird die Haft nach Informationen der BBC um weitere zwölf Monate verlängert. Das ist die höchste mögliche Strafe für die Delikte, wegen denen die beiden Frauen angeklagt waren.

Weil sie in einem Restaurant waren, wurde ihnen „versuchte Homosexualität“ vorgeworfen

Die beiden Frauen, Shakiro und Patricia, wurden unter anderem wegen „versuchter Homosexualität“ und „öffentlicher Unsittlichkeit“ Anfang Februar in einem Restaurant in der Millionenstadt Douala verhaftet. Shakiro ist in Kamerun eine bekannte YouTube-Influencerin mit tausenden Followern auf ihren Social-Media-Kanälen, die in ihren Videos auch offen über ihre Geschlechtsidentität spricht und dort auch die Probleme der LGBTI-Community Kameruns thematisiert.

Die Verhaftung und die Verurteilung der beiden Frauen sei eine „politische Entscheidung“ gewesen, betont die Menschenrechtsaktivistin und Präsidentin des LGBTI-Verbandes von Kamerun, Alice Nkom. „Die Botschaft ist klar: Homosexuelle haben keinen Platz in Kamerun“, so die Aktivistin, die auch eine der Anwältinnen der beiden trans Frauen ist. „Es ist die Zentralregierung in Yaounde, die erklärt, diese Personen dürften Homosexualität nicht nach Kamerun bringen“, so Nkom weiter. 

Verhaftung und Urteil hätten politische Hintergründe, ist ihre Anwältin überzeugt

Für die Menschenrechtsaktivistin ist die harte Strafe gegen die trans Frauen ein Skandal-Urteil, „das allen internationalen Abkommen Hohn spreche, die Kamerun unterzeichnet hat“. Die Anwält:innen erklärten, das Gericht habe die Höchststrafe gegen Shakiro und Patricia nur verhängt, weil die beiden Frauenkleider getragen hätten. Sie haben angekündigt, gegen das Urteil zu berufen. Denn die Verhaftung basierte nicht auf verbotenen sexuellen Handlungen, wie vom Gesetz gefordert – die beiden Frauen hatten einfach zu Abend gegessen.

Der internationalen Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge gab es im Zuge der Verhaftung und des Prozesses gegen die beiden trans Frauen wiederholte Menschenrechtsverletzungen. „Ich habe Shakiro und Patricia mehrmals im Gefängnis besucht. Sie sagten mir, sie seien auf der Polizeidienststelle geschlagen und mit dem Tod bedroht worden“, zitiert HRW das Mitglied einer kamerunischen LGBT-Organisation.

Von Polizisten wurden die beiden trans Frauen misshandelt, sie fürchten um ihr Leben

Außerdem hätten Polizisten die beiden Frauen unter anderem als „schmutzige Schwuchteln“ beschimpft und ihnen eine halbe Stunde lang die Hände hinter ihrem Rücken verdreht und sie mit Stiefeln geschlagen, so der Zeuge weiter. Im Gefängnis müssen die beiden trans Frauen Männerkleidung tragen. Für HRW ist die Verhaftung Teil einer Kampagne der Polizei gegen sexuelle Minderheiten.

Und diese leben in dem afrikanischen Land gefährlich: Allein im Februar wurden nach Informationen der BBC in Kamerun drei Angehörige sexueller Minderheiten umgebracht,  mindestens 24 LGBTI-Personen festgenommen, bedroht oder angegriffen worden. Menschenrechtler:innen fürchten, dass das Urteil gegen die beiden trans Frauen zu mehr Gewalt gegen sexuelle Minderheiten führen könne.

Im Gegensatz zu ehemaligen britischen Kolonien, in denen Gesetze gegen LGBTI-Personen einfach übernommen wurden, wurde Homosexualität in der ehemals französischen Kolonie Kamerun nach Erlangung der Unabhängigkeit in den 1970er Jahren verboten. Gleichgeschlechtliche Handlungen können mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Auf Grund der Gesetze gegen sexuelle Minderheiten werden trans Personen in Kamerun in der Regel nicht anerkannt.