Samstag, 20. April 2024
HomePolitikInlandSexualpädagogik an Schulen: Ministerium verschleppt Lösung

Sexualpädagogik an Schulen: Ministerium verschleppt Lösung

Mehr als zwei Jahre nach der Ankündigung gibt es noch immer kein Akkreditierungsverfahren für sexualpädagogische Vereine

Meistgelesen

Neu auf GGG.at

Als Folge der Affäre rund um den umstrittenen Aufklärungsverein TeenStar hat der damalige Unterrichtsminister Heinz Faßmann von der ÖVP bereits 2018 ein spezielles Akkreditierungsverfahren angekündigt. Dieses sollte gewährleisten, dass alle Vereine, die sexualpädagogische Workshops an österreichischen Schulen anbieten, dazu auch qualifiziert sind. Doch dieses Verfahren gibt es bis heute nicht, kritisiert SPÖ-Gleichbehandlungssprecher Mario Lindner. 

Antrag der SPÖ wurde von der Koalition vertagt

Ein entsprechender Antrag der SPÖ im heutigen Unterrichtsausschuss des Nationalrats, der eine Umsetzung von Faßmanns Ankündigung durch seinen Nachfolger Martin Polaschek fordert, wurde mit den Stimmen von ÖVP und Grünen vertagt. “Das angekündigte Akkreditierungsverfahren hätte bereits vor Ausbruch der Pandemie, im Herbst 2019, starten sollen – und bis heute ist außer Ankündigungen nichts passiert”, ärgert sich Lindner. 

Nachdem die Umsetzung durch das Bildungsministerium immer wieder verschoben wurde, kündigte Faßmann im Juni 2021 bei der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage an, dass das Verfahren in der Mitte des aktuellen Schuljahres starten sollte. Doch wie dieses Akkreditierungsverfahren aussehen sollte oder wann die ersten Vereine diese Akkreditierung bekommen sollten, blieb weiter unklar. 

- Werbung -

Hat das Bildungsministerium kein Interesse an engagierter Sexualpädagogik?

“Das Motto ‚Aussitzen und Wegschauen‘ beschränkt sich bei der türkis-grünen Bildungspolitik anscheinend nicht nur auf die Corona-Situation an Schulen, sondern findet genauso bei der sexuellen Bildung seine Fortsetzung”, so Lindner, der auch Bundesvorsitzender der sozialdemokratischen LGBTI-Gruppe SoHo ist. 

Dabei wären gerade Fragen von Sexualität und Selbstbestimmung “essenziell für die Entwicklung junger Menschen”, so Lindner weiter: “Sexuelle Bildung ohne Vorurteile auf Basis von Wissenschaft und bestmöglichen pädagogischen Standards sicherzustellen, das gehört zu den Kernaufgaben von Schulpolitik – leider hat diese Regierung daran anscheinend kein Interesse.” 

“Dass unser Antrag einfach weitervertagt wurde, zeigt leider deutlich, dass an einer raschen Lösung vor allem in der ÖVP und im Bildungsministerium niemand Interesse hat”, so Lindner. Nun will er mit weiteren parlamentarischen Anfragen wissen, was die nächsten Schritte des Bildungsministeriums bei der Akkreditierung qualifizierter Vereine an den österreichischen Schulen sind – “sollte es solche überhaupt geben”, wie der Abgeordnete hinzufügt. 

Der Verein TeenStar erklärte Schülern, Homosexualität sei heilbar und Sex vor der Ehe schlecht

Grund für die Ankündigung waren Berichte über den christlich-fundamentalistischen Verein TeenStar, in dessen Schulungsmaterialen 2018 unter anderem Homosexualität als heilbares Identitätsproblem und Selbstbefriedigung als schädlich dargestellt wurden. Außerdem propagierte der Verein in den vorliegenden Unterlagen, Sex vor der Ehe zu vermeiden und auf natürliche Empfängnisverhütung zu vertrauen.

Der Verein betonte, dass es sich bei den Unterlagen um veraltete Versionen handelte – doch den Schulen wurde vom Ministerium dringend abgeraten, mit TeenStar zusammenzuarbeiten. Das Ministerium kündigte erstmals noch im Jahr 2018 an, dass sich sexualpädagogische Vereine grundsätzlich akkreditieren lassen müssten, wenn sie an Schulen tätig sein wollten.

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner