Russischer Patriarch: Gay-Paraden schuld am Einmarsch in die Ukraine

In seiner Sonntagspredigt verbreitet Kyrill I. wirre Verschwörungstheorien

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Dass die Kombination aus staatlicher und kirchlicher Homophobie in Russland manchmal seltsame Blüten treibt, ist kein Geheimnis. Doch was der Moskauer Patriarch Kyrill I. diesen Sonntag in seiner Predigt in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale gesagt hat, verstört zutiefst. Der Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine solle Gläubige vor Pride-Paraden schützen, so der 75-Jährige.

Gay-Prides als „Loyalitäts-Test“ für die Mächtigen dieser Welt

So behauptete der Patriarch in seiner Predigt, dass es in der südostukrainischen Region Donbass, die seit 2014 von pro-russischen Separatisten kontrolliert wird, „eine grundsätzliche Ablehnung der so genannten Werte“ gebe, „die heute von denen angeboten werden, die die Weltmacht beanspruchen“.

Diese würden unter anderem „Gay-Pride-Paraden“, vor denen man nach Ansicht von Kyrill I. die Menschen schützen müsse, als „Loyalitäts-Test“ benutzen. Wer diesen Test ablehne, würde von den Mächtigen verstoßen und „zu Fremden in dieser Welt“, so der Moskauer Patriarch weiter.

LGBTI-Paraden sind ein „Verstoß gegen die Gesetze Gottes“

Seine Schlussfolgerung: Pride-Paraden würden nicht veranstaltet, um sich für Gleichberechtigung einzusetzen, sondern aus Druck, „um in den Club dieser Länder aufgenommen zu werden“. Ein Seitenhieb auf die unabhängige Ukraine, in der es dieses Jahr – wenn auch unter schweren Sicherheitsvorkehrungen – die zehnte Kyiv Pride gegeben hätte.

Pride-Paraden seien aber eine schwere Sünde und ein „Verstoß gegen die Gesetze Gottes“, betonte das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche weiter – nicht zum ersten Mal: So hatte er die Paraden in der Vergangenheit bereits als „aufdringliche Zurschaustellung von Unzucht“ bezeichnet, deren Verbot in Russland begrüßte er öffentlich – genauso wie das international kritisierte Gesetz gegen „Homo-Propaganda“.

Hass-Botschaften haben bei Kyrill I. Tradition

Im Jahr 2013 hatte er davor gewarnt, dass die Öffnung der Ehe zum Weltuntergang führen könnte, im Jahr 2017 verglich er diese mit Gesetzen der Nazis. Auch der Terrorismus des Islamischen Staates sei die Antwort auf eine gottlose Welt mit Pride-Paraden, so der heute 75-Jährige im Jänner 2016.

Kyrill I. gilt als Unterstützer des russischen Präsidenten Wladimir Putin – man sichert sich gegenseitig Macht und Einfluss. So wundert es auch nicht, dass er in seiner Predigt zwar gegen sexuelle Minderheiten hetzt, sich aber nicht gegen den Krieg in der Ukraine positioniert, wie das zuletzt auch westliche Würdenträger gefordert hatten.

Stattdessen betonte das Kirchenoberhaupt seine Hoffnung, „dass das Blut unserer Brüder und Schwestern aufhört zu fließen, dass der Herr dem leidgeprüften Land Donbass, das seit acht Jahren den traurigen Stempel der menschlichen Sünde und des Hasses trägt, seine Gnade schenkt“.