Bis zu 60.000 Menschen feiern in Prag die Vielfalt

Ein deutliches Zeichen an die gesamte Region

Symbolbild: Prague Pride
Symbolbild - Prague Pride/Catherine Shiflett

Am Samstag hat in der tschechischen Hauptstadt Prag die Pride mit der Regenbogenparade ihren Höhepunkt gefunden: Wie tschechische Medien berichteten, marschierten bis zu 60.000 Teilnehmer:innen vom Wenzelsplatz über den Altstädter Ring im Herzen der Moldau-Metropole bis zur Festwiese Letná. Es war die zwölfte Parade. Tschechien positioniert sich mit der Parade auch als sicheren Ort für die LGBTI-Community in Mittel- und Osteuropa.

Nachhaltiger und besser fürs historische Zentrum: Keine Trucks bei der Parade

Die Parade feierte nach zwei Jahren Corona-Pause ein Comeback – mit einer Änderung: Die Prager Regenbogenparade war autofrei. „Wer in den letzten Jahren dabei war, weiß, dass es große Umzugswagen gab. Aber die gehören nun der Vergangenheit an. Wir wollen nachhaltiger werden und uns besser ins historische Zentrum der Stadt integrieren“, so Tom Bílý, Direktor der Pride, gegenüber Radio Prag .

Unterstützung für die Prague Pride kam nicht nur von der Bevölkerung, die den Weg säumte, klatschte und jubelte, sondern auch von zahlreichen Politikern: So marschierte der Prager Bürgermeister Zdeněk Hřib mit seiner Frau in vorne mit, wie das Nachrichtenportal iDnes.cz  berichtete. Außenminister Jan Lipavský, der wie Hřib zur Piratenpartei gehört, hatte gemeinsam mit diesem und prominenten Lokalpolitikern den Ehrenschutz über die gesamte Festivalwoche übernommen.

Prag als sicherer Hafen für die Community in Mittel- und Osteuropa

Ein zentrales Thema der diesjährigen Pride sei die Situation der LGBTI-Community in Mittel- und Osteuropa, so Bílý weiter. Denn zur Prague Pride kommen auch viele Besucher:innen aus Österreich, Deutschland, Polen, Ungarn und der Slowakei. „In diesem Jahr kommen noch Besucher aus der Ukraine hinzu“, fügt der Pride-Direktor hinzu.

Das macht die Prague Pride zu einer der größten Menschenrechts-Veranstaltungen in der Region. „Außerdem ist Prag für Menschen der LGBTIQ-Community natürlich ein sicherer Ort innerhalb dieser Gegend. Sie können hier eine Woche an einem sicheren Ort erleben und sein, wer sie wirklich sind“, erklärt Bílý.

Eine Woche stand Prag im Zeichen der Pride

Die Parade am Samstag war der Höhepunkt der Prager Pride-Woche. Eine Woche lang gab es in der tschechischen Hauptstadt LGBTI-Veranstaltungen, wie Konzerte, Filmvorführungen oder Diskussionen. Am Freitag wurde beim „Pride Talk Germany“ unter anderem darüber diskutiert, welche Erfahrungen Berlin mit queerem Tourismus oder queeren Geflüchteten hat. 

Und auch, wenn Tschechien bei den Menschenrechten für sexuelle Minderheiten eine Vorreiterrolle im ehemaligen Ostblock einnimmt – Luft nach oben gibt es noch: So hat die Tschechische Republik die Ehe noch nicht für schwule und lesbische Paare geöffnet. Dafür haben sich 54 Abgeordnete dafür eingesetzt, die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau in der Verfassung zu verankern.