Mittwoch, 19. Juni 2024
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Nach dem Anschlag: Café Tepláreň in Bratislava sperrt zu

"Jetzt liegt es an euch", sagt der Besitzer

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Das Café Tepláreň in der Altstadt von Bratislava, vor dem am 12. Oktober ein 19 Jahre alter Rechtsradikaler zwei junge Männer getötet und eine Frau verwundet hatte, wird schließen. Das hat Roman Samotný, Chef des Lokals, nun bestätigt. 

„Nehmt euch nicht aus der eigenen Verantwortung und schiebt sie auf uns“

Das Tepláreň habe viele Zuschriften erhalten, dass man nicht schließen solle, weil dann der Hass siegen würde, heißt es auf der Facebook-Seite der Bar. “Aber bitte nehmt Euch nicht aus der eigenen Verantwortung und schiebt sie auf uns. Fragt Euch, ob Ihr genug getan habt, um die Verbreitung von Hass zu verhindern, der zum Tod von zwei Menschen führte”, heißt es weiter. 

Denn jede und jeder solle sich fragen, was gegen den Hass gegen sexuelle Minderheiten in der Slowakei gemacht werden könne. “Jetzt liegt es an euch”, so der Appell der Bar. Denn konservative und nationalistische Politiker:innen machen auf Kosten der LGBTI-Community Stimmung, öffentlichen Widerspruch gibt es selten. 

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Viele Politiker:innen haben es nicht geschafft, den Grund für den Anschlag klar zu benennen

Auffallend viele Politiker:innen haben sich auch nach dem Anschlag schwergetan, den Hauptgrund des Mordes, den Hass auf sexuelle Minderheiten, klar zu benennen. Parlamentssprecher Boris Kollár hatte auch nach dem Anschlag betont, dass er weiterhin zu seinen Aussagen stehe, dass Homosexuelle seiner Meinung nach nicht auf die Straße gehörten.  

Die Einführung von Eingetragenen Partnerschaften in der Slowakei scheiterte diese Woche. Auch, weil Politiker wie Richard Vašeck von der regierienden OLaNO dagegen stimmten, um „Ehe und Familie zu schützen“. Die nationalistische Oppositionspartei ĽSNS diskreditierte den Vorschlag mit der Anmerkung, damit würden “sexuelle Orgien der Homosexuellen, die sich mit Fäkalien einreiben” unterstützt.

Auch andere Bars haben geschlossen oder verbessern ihre Sicherheitsmaßnahmen

Das kommt in großen Teilen der Bevölkerung gut an. Im Jahr 2019 gaben etwa 59 Prozent der Slowaken im Eurobarometer an, sie würden der LGBTQ-Gemeinschaft im Land nicht die gleichen Rechte wie allen anderen Menschen gewähren. Zum Vergleich: In Schweden sind es nur etwa zwei Prozent. 

Das Tepláreň ist übrigens nicht die einzige queere Bar in Bratislava, die geschlossen ist: Andere Bars der Community haben derzeit ebenfalls geschlossen oder sind dabei, zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen einzuführen. Mitten in Europa, im Jahr 2022.