Warum „Konversionstherapien“ in Österreich noch immer nicht verboten sind

Wie die "Kleine Zeitung" aufgedeckt hat, werden auch in Österreich noch immer "Konversionstherapien" angeboten, die Lesben und Schwule von ihrer sexuellen Orientierung "heilen" sollen. Ein Gesetzentwurf, der diese Praxis verbieten soll, hängt bei der ÖVP.

Obdachloser Jugendlicher
Sujetbild - Fotolia/Roman Bodnarchuk

„Ein Verbot solcher seelischen Misshandlungen ist längst überfällig“, ärgert sich Joe Niedermayer, Obmann der RosaLila PantherInnen (RLP), über das Ergebnis der Recherche der Kleinen Zeitung . Es sei wissenschaftlich nachgewiesen, dass diese Therapien „zu erheblichen gesundheitlichen Schäden und psychischen Erkrankungen führen können“, so die größte LGBTI-Organisation der Steiermark weiter.

Der Nationalrat hat bereits zweimal ein Verbot der „Homo-Heilungen“ gefordert

Aber warum sind solche „Konversionstherapien“ in Österreich noch immer legal? Immerhin hat der Nationalrat bereits zweimal – im Juli 2019 und im Juni 2021 – einstimmig ein Verbot solcher „Behandlungen“ gefordert. Und auch die Ankündigung von Justizministerin Alma Zadić, ein solches Gesetz bis Sommer 2022 durchzubringen, ist verpufft.

Der fertige Gesetzesentwurf liege bereits seit Oktober 2022 zur Abstimmung bei der ÖVP, so Ewa Ernst-Dziedzic, LGBTIQ-Sprecherin der Grünen. Von der ÖVP habe man aber bisher „nicht einmal eine inhaltliche Rückmeldung“ bekommen. Warum diese darauf bisher nicht reagiert habe, erschließt sich Ernst-Dziedzic nicht. „Man kann hier auch nicht von Therapien sprechen, das sind schwindlige Zwangsbehandlungen oder Exorzismen.“

Beim Koaltionspartner ist man auffallend schmallippig. „Es müssen noch Experten befragt werden“, so ÖVP-Sprecher Peter Treml zur Kleinen Zeitung. Wann das Gesetz nun kommen soll – darüber herrscht bei der Volkspartei Schweigen. Nach Erscheinen des Artikels war in der ÖVP niemand für eine Stellungnahme gegenüber der Austria Presse Agentur (APA) erreichbar.

Blockieren erzkonservative Kreise in der ÖVP ein Gesetz?

Das könnte daran liegen, dass bestimmte klerikale Kreise in der ÖVP gut vernetzt sind. So wie etwa die 1987 gegründete Loretto-Gemeinschaft, der sich die verdeckt arbeitende Journalistin nach Empfehlung ihrer Betreuerin anschließen sollte. Der Standard bezeichnete die Gemeinschaft im Jahr 2020 in einer Recherche als „konservativ, bibeltreu und elitär“, Kenner der Szene würden von „Evangelikalen innerhalb der katholischen Kirche“ sprechen.

Dabei gibt es entsprechende Gesetze gegen „Konversionstherapien“ bereits, etwa in Frankreich, Spanien, Deutschland oder sogar in Albanien. Dort werden Verstöße mit Strafen bis zu 150.000 Euro geahndet. „Das Gesetz richtet sich gezielt an ,schwindlige Vereine’“, erklärt Ernst-Dziedzic. Es würde jegliche Therapiemaßnahmen verbieten, die Einfluss auf die sexuelle Orientierung von Personen nehmen.

„Wahres Armutszeugnis“: SPÖ startet parlamentarische Petition

„Dass Menschen noch immer Konversionstherapien ausgesetzt werden, weil ÖVP und Grüne sich aus politischem Kalkül nicht einigen können, ist ein wahres Armutszeugnis“, ärgert sich SPÖ-Gleichstellungssprecher Mario Lindner, der auch Vorsitzender der sozialdemokratischen LGBTIQ-Organisation SoHo ist.

Konversionstherapien verbieten
Zur parlamentarischen Petition  

Lindner startet deshalb eine parlamentarische Petition, die von der Bundesregierung fordert, das gesetzliche Verbot von Konversionstherapien endlich umzusetzen. „Solche Praktiken haben weder in Graz noch irgendwo anders in Österreich etwas verloren – es ist höchste Zeit, dass die Regierung ihre politischen Spielchen endlich beendet und Konversionstherapien verbietet!“, so der SPÖ-Politiker.

Sowohl das Hagiotherapie-Zentrum in Graz als auch die Loretto-Bewegung ließen Anfragen der Kleinen Zeitung und der APA vorerst unbeantwortet.