Mittwoch, 21. Februar 2024
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Nach Empörung um Palästinenser-Flagge: Jetzt spricht das Team der Villa

Gut eineinhalb Monate, nachdem eine Palästinenser-Flagge auf der Türkis Rosa Lila Villa für Aufregung und Empörung sorgte, erklärt sich das queere Community-Zentrum zum ersten Mal ausführlich.

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Am 7. Oktober erschütterte ein Terrorangriff der radikalislamischen Hamas Israel und seine Bewohner:innen. Tausende wurden getötet, hunderte wurden verschleppt, Frauen wurden systematisch zum Ziel unvorstellbarer sexueller Gewalt.

Eine Palästinenserflagge aus einem Fenster der Villa wurde zum Politikum

Zwei Wochen später hing eine Palästinenserflagge aus einem Fenster der Türkis Rosa Lila Villa an der Linken Wienzeile. Eine Erklärung der Handelnden dafür gab es zunächst nicht. Erst nach öffentlicher Empörung folgten zwei Transparente, auf denen der Spruch „Gegen Gewalt. Gegen Krieg. Gegen binäres Denken“ sowie „Queer für Sicherheit – Arabisch + jüdisch für Freiheit leben“ stand.

Nun, fast eineinhalb Monate nach dem Hissen der palästinensischen Flagge, hat sich die Türkis Rosa Lila Villa zum ersten Mal ausführlich zu der Causa geäußert – und auch zu den Drohungen, denen sie seitdem ausgesetzt ist. Man beuge sich nicht dem sozialen Druck, eine normative Position einzunehmen, so die Gemeinschaft der Villa.

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Ein Einbruch in der Villa und Drohungen, weil sie ihren Überzeugungen treu bleiben

Die Aktivist:innen berichten in ihrer Erklärung, dass etwa am 29. November in die Villa eingebrochen wurde. Dabei wurden einige Gegenstände aus den Büros gestohlen und eine israelische Flagge an der Fassade der Villa angebracht. Fotos von der Flagge wurden auf Instagram gepostet – mit dem Zusatz „Wir sind direkt um die Ecke“.

Die Villa betont, die palästinensische Flagge bedeute für sie nicht die Unterstützung der Hamas. Sie sei „global und von der Vereinten Nationen (UN) anerkanntes Symbol der Palästinenser*innen“. „Binäres Denken“ würde die Flagge mit der Hamas gleichsetzen und sie nicht als Symbol unterdrückter Menschen sehen.

Gleichsetzungen und Relativierungen: Die Villa kannaus ihrem binären Denken nicht ausbrechen

Man verurteile Antisemitismus und Kriegsverbrechen und unterstütze „nachdrücklich Einigkeit gegen jegliche Form der Entmenschlichung“, beschreibt die Türkis Rosa Lila Villa ihre Haltung. „Wir glauben daran, dass Palästinenser*innen und Israelis gleiche Rechte auf Leben, Freiheit und Sicherheit haben“, heißt es weiter.

„Nichts kann das schreckliche Massaker und die Geiselnahme von Zivilistinnen durch die Hamas rechtfertigen. Jeglicher terroristische Akt überall in der Welt muss stärkstens verurteilt werden. Die darauffolgende unterschiedslose Bombardierung und Vertreibung von Hunderttausenden von Zivilist*innen in Gaza kann nicht relativiert werden und muss ebenfalls stärkstens verurteilt werden“, so die Türkis Rosa Lila Villa.

Außerdem schließt sich die Villa „der internationalen humanitären und politischen Gemeinschaft zum Schutz aller Zivilist*innen an“ und ruft „zur Umsetzung notwendiger Maßnahmen auf, um sicherzustellen, dass die Menschenrechte aller Palästinenser*innen und Israelis vollkommen geschützt werden“.

„Fürsorge-orientierte Veranstaltungen“ für Frieden zwischen den Völkern

Kritik übt die Villa daran, dass in der Diskussion Israel aufgrund seiner LGBTI-freundlichen Gesetzgebung als Vorbild in der Region gesehen wird. Durch die Betonung der queerfreundlichen Situation in Israel und der gewaltsamen Unterdrückung in Gaza „pinkwäscht das binäre System die Verbrechen ultrakonservativer Gruppen in Israel“, so die Villa.

Zum Schluss ihrer Erklärung kündigt die Villa an, „eine Reihe fürsorge-orientierter Veranstaltungen“ zu organisieren, „die sich an Menschen richten, die sich als queer und jüdisch/israelisch identifizieren, sowie an Menschen, die sich als queer und arabisch/muslimisch identifizieren“.