„Temporäre Kunst“ statt Homo-Mahnmal in Wien

Die Geschichte um eine Gedenkstätte für die von den Nationalsozialisten verfolgten Homosexuellen am Wiener Morzinplatz ist um eine Facette reicher. Nachdem sich das 2006 beschlossene Projekt „Rosa Platz“ von Hans Kupelwieser im Nachhinein als technisch nicht realisierbar erwies, wird es jetzt im Zusammenhang mit einer Gesamtsanierung und Neugestaltung des Platzes eine

Neuausschreibung geben. Bis dahin wird es auf dem Platz, auf dem einst die Gestapo-Zentrale stand, „temporäre Kunstwerke“ geben.

Kurator für dieses Projekt ist der offen schwule Fotokünstler und Leiter der Klasse für Kunst und Fotografie an der Akademie der bildenden Künste, Matthias Herrmann. Getragen wird das Projekt, das ab Frühling 2010 wechselnde Kunstwerke auf dem Platz ausstellt, vom Projekt „Kunst im öffentlichen Raum“ (KÖR).

Herrmann, der vorerst für zwei Jahre bestellt wurde, möchte sowohl nationale als auch internationale Künstler einzuladen, sich mit dem Thema und dem Ort kritisch auseinanderzusetzen. „Die temporäre, in regelmäßigen Abständen wechselnde Bespielung durch zeitgenössische Künstler garantiert, dass der Ort nicht zum immobilen Denkmal erstarrt,“ betont er. Zudem bleibe damit das Thema der Diskriminierung und Verfolgung auf Grund gleichgeschlechtlicher Orientierung sowohl in seiner historischen Dimension wie auch in seinen aktuellen Perspektiven im Bewusstsein, ist sich der Kurator sicher.

Gerade jene Opfer, die im Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Gewaltverbrechen häufig vergessen werden, sollen durch die künstlerische Markierung des Ortes eine öffentliche Sichtbarkeit erhalten, die ihnen bislang vielfach verwehrt wurde, betont KÖR in einer Aussendung.

Ob die wechselnden Kunstwerke aber auch die Bedeutung einer dauernden Homo-Monuments einnehmen können, wird von Kennern der Situation bezweifelt. Solche Monumente gibt es in zahlreichen europäischen Metropolen, darunter auch in Berlin oder Amsterdam.