[Video] Italien wacht auf: Eine Million demonstrieren für Eingetragene Partnerschaften

Und Neapel beleuchtet seine Kolonnaden in Regenbogenfarben

In Italien haben am Samstag mehr als eine Million Menschen für die Einführung Eingetragener Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare demonstriert. Unter dem Motto „#svegliatitalia“ – also „Italien, wach’ auf“ haben sich Menschen in insgesamt 98 Städten in Italien und dem Ausland zusammengefunden.

Passend zum Motto kamen viele Demonstranten mit einem Wecker – diese ließen sie dann zeitgleich läuten. Zu den Kundgebungen in den großen Städten wie Rom, Mailand, Neapel oder Turin kamen hunderttausende Teilnehmer. Auch der stellvertretende Außenminister Benedetto Della Vedova hatte sich unter die Demonstranten gemischt. In Mailand nahm auch der Bürgermeister an der Demonstration teil.

Dem entsprechend sind die Organisatoren der größten italienischen LGBT-Organisation Arcigay begeistert: „Ein historischer Tag für dieses Land“, so Gabriele Piazzoni nach den Demonstrationen. Man habe „einen großen Teil der Zivilgesellschaft“ versammelt. Sie hätten sich auf die Straßen getraut, weil sie wüssten, dass die Eingetragene Partnerschaft für gleichgeschlechtliche Paare „ein Wert für alle“ sei.

„Eine Million Alarme aus allen Ecken des Landes bedeuten, dass das Parlament sie hören muss“, so Piazzoni. Die Demonstrationen seien „eine große Mobilisierung“ gewesen, „die die Leidenschaft und das Bedürfnis so vieler zeigt, die für den Wert der Gleichheit einstehen“.

Doch diese Meinung teilen nicht alle Italiener. Am Rande einiger Demonstrationen standen vereinzelt Menschen mit, die als stillen Gegenprotest auf einem Platz in der Nähe aus der Bibel und anderen religiösen Büchern lasen. Einige Bürgermeister haben bereits angekündigt, auf den Gegendemonstrationen zum „Tag der Familie“ am Samstag teilzunehmen. Die rechtspopulistische Regionalregierung der Lombardei ließ für diesen Tag bereits am letzten Samstag Werbung für diesen Tag machte – im Mailänder Pirelli-Hochhaus, wo sie ihren Sitz hat. Das sorgte in der norditalienischen Stadt für Proteste.

Anders ging es ausgerechnet im als konservativ geltenden Süden Italiens zu: Die Stadt Neapel ließ am Samstag die Kolonnaden der Piazza del Plebiscito, auf deutsch „Platz des Volkswillens“, in Regenbogenfarben erstrahlen.

Der bereits im Herbst eingebrachte Gesetzesentwurf über die Einführung von Eingetragenen Partnerschaften soll am Donnerstag zum ersten Mal im italienischen Senat diskutiert werden. Besonders die Erlaubnis zur Siefkindadoption sorgt unter den konservativen und rechten Parteien für Empörung.