Italien: Schwuler Politiker bekommt über Leihmutter einen Sohn

Der Streit um die Einführung Eingetragener Partnerschaften in Italien entzündet sich vor allem an der Frage der Adoptionsmöglichkeit für gleichgeschlechtliche Paare. Konservative Politiker befürchten, dass sich viele schwule Paare für eine Leihmutter im Ausland entscheiden. Ein prominenter schwuler Politiker hat den Gegnern nun neue Munition gegeben.

Linken-Parteichef heuerte US-Leihmutter an

Denn Nichi Vendola, offen schwuler Chef der Linkspartei SEL, ist am Samstag Vater eines gesunden Buben geworden – allerdings nicht auf dem Weg, den die mächtige römisch-katholische Kirche empfiehlt. Zur Welt gebracht hat das Kind nämlich eine indonesischstämmige Leihmutter aus den USA. Sie hat das Kind in Kalifornien zur Welt gebracht.

Biologischer Vater ist laut Vendola sein Lebenspartner, der 38-jährige Italo-Kanadier Eddy Testa. Das Kind wird somit drei Staatsbürgerschaften – die italienische, die kanadische und aufgrund seines Geburtslandes auch die US-amerikanische, haben.

Konservative: ‚Uterus gemietet‘

Für die politische Rechte in Vendolas Heimat ist das ein gefundenes Fressen: Matteo Salvini, Parteichef der rechtspopulistischen Lega Nord, empörte sich über den 57-jährigen ehemaligen Ministerpräsidenten von Apulien: „Vendola und sein Partner wurden Väter, indem sie den Uterus einer Frau in Kalifornien gemietet haben. Das ist nicht die Zukunft, das ist empörender Egoismus.“

Und auch die größte Oppositionspartei, die von Silvio Berlusconi gegründete Forza Italia, stimmte in den Chor der Empörung ein: Deren Senator Maurizio Gasparri warf den Linken Heuchelei vor, weil sie einerseits im Parlament gegen die Leihmutterschaft seien, aber gleichzeitig ein linker Politiker sich dieser „hässlichen Methode“ bediene.

Imageblamage für Renzi und Co.

Erst drei Tage zuvor wurde im römischen Senat eine abgespeckte Version des Partnerschaftsgesetzes verabschiedet. Konservative Senatoren setzten sich mit ihrer Forderung durch, die Stiefkindadoption für gleichgeschlechtliche Paare doch nicht zu erlauben.

Hauptargument der Gegner, vor allem der mitregierenden Mitte-Rechts-Partei NCD: Schwule Paare könnten sich so über Leihmütter im Ausland den Kinderwunsch erfüllen. Ein Szenario, dass die regierende Partito Democratico (PD) von Ministerpräsident Matteo Renzi als unwahrscheinlich abtat.