Schwuler Vatikan-Botschafter: Frankreich gibt nach

Im Streit um den offen schwulen Diplomaten Laurent Stefanini hat Frankreich nun nachgegeben: Ursprünglich sollte der praktizierende Katholik Botschafter im Vatikan werden, nun bekommt er einen neuen Posten bei der UN-Kulturorganisation UNESCO.

Der perfekte Botschafter – doch der Vatikan stellt sich quer

Eigentlich wäre Stefanini der ideale Botschafter Frankreichs beim Heiligen Stuhl: Er ist sehr gläubig, in katholischen Kreisen gut vernetzt und war bereits von 2001 bis 2005 als Botschaftsrat bei der Vatikan-Botschaft tätig. Er hatte auch sogar die Unterstützung des französischen Kurienkardinals Jean-Louis Tauran. Deshalb wurde er Anfang 2015 von Staatspräsident Françios Hollande für den frei gewordenen Posten nominiert.

Doch der Kirchenstaat weigerte sich, der Personalie zuzustimmen, Laurent Stefanini konnte seinen Job deshalb nicht antreten. Diese Weigerung soll Medien zufolge direkt auf Papst Franziskus zurückgegangen sein. In einem persönlichen Gespräch vor einem Jahr soll der Heilige Vater dem zurückgewiesenen Diplomaten „seine persönlichen Gedanken zu dem Vorgang mitgeteilt“ haben, wie die katholische Nachrichtenagentur Kathpress berichtet.

Rache des Vatikans für die Ehe-Öffnung

Die Weigerung des Vatikans, Stefanini als Botschafter Frankreichs zu akzeptieren, dürfte zwei Gründe haben: Zunächst lebt der Diplomat offen schwul – und damit hat die römisch-katholische Kirche bekanntermaßen ein Problem. Ihn zu nominieren wurde im Vatikan teilweise als gezielte Provokation gesehen.

Der zweite Grund für die Ablehnung Stefaninis dürfte die Öffnung der Ehe in Frankreich sein, die Hollande 2013 gegen heftigen Protest kirchlicher Kreise durchgesetzt hat. Sie dürfte im Vatikan den Ausschlag dafür gegeben haben, dass Papst Franziskus den Botschafter abgelehnt hat.

Paris hat lange versucht, Laurent Stefanini zu halten. Präsident Françios Hollande hat auch nach dem Gespräch, das der Papst mit dem Diplomaten hatte, an der „von ihm forcierten“ Personalentscheidung festgehalten. Nach über einem Jahr hat er nun nachgegeben: Stefanini wechselt zur UNESCO. Wer den seit langem vakanten Posten des französischen Botschafters im Vatikan übernimmt, hat die Regierung noch nicht bekanntgegeben.