HIV-positiv trotz PrEP: Jetzt spricht der Betroffene

"Es war ein Schock - aber ich würde es wieder tun"

Truvada
Lukas Braun - CC BY-NC-SA 4.0

Es war ein großer Rückschlag in der Geschichte der Präexpositionsprophylaxe (PrEP) als Mittel zum Schutz gegen eine HIV-Infektion: Zum ersten Mal haben die Medikamente einen Menschen nicht geschützt. Im Februar wurde der Fall öffentlich – doch der Betroffene glaubt weiter an die vorbeugende Einnahme von HIV-Medikamenten.

Der 44-Jährige, der in offiziellen Dokumenten als „Joe“ bezeichnet wird, hat zwei Jahre lang jeden Tag eine Dosis des HIV-Medikaments Truvada zur PrEP eingenommen. Trotzdem hat er sich mit HIV infiziert. In einem Interview mit dem US-Magazin „POZ“ schildert er nun seine Erfahrungen.

Sorgfältig bei der Medikamenten-Einnahme

Sein Körper habe die Medikamente gut vertragen, erzählt er. Eingenommen habe er die Tablette jeden Tag zwischen 11.00 und 13.00 Uhr: „Mein Gedanke war, egal welcher Tag es ist oder wo ich bin, zwischen elf und eins bin ich wach.“

Damit unterscheidet er sich von anderen Männern, die aus Kostengründen die PrEP vor allem vor bestimmten Veranstaltungen oder Ereignissen einsetzen, bei denen sie der Gefahr einer HIV-Infektion ausgesetzt sind: „Ich glaube, es ist besser, wenn immer das gleiche Level des Medikaments im Blutkreislauf ist“, erklärt Joe.

„Ich habe keine Kondome mehr genommen“

Von der Wirkung der Medikamente war er überzeugt: „Ich habe aufgehört, Kondome zu verwenden, nachdem ich auf PrEP war“, gibt er offen zu. „Ich war von PrEP so überzeugt: Wenn ich mit jemanden gechattet habe, der Kondome verwenden wollte, hat mich das abgeturnt. Ich hatte Sex, um ihn zu genießen.“

Und obwohl er jeden Tag seine Dosis nahm, infizierte sich Joe mit HIV – einem seltenen Stamm des Virus, der gegen mehrere Medikamente resistent ist. „Es war schon ein Schock“, erinnert er sich an den Moment, als er die Diagnose erfuhr. „Ich sagte: ‚Das kann nicht sein, unmöglich. Sind sie sicher, dass das Ergebnis nicht falsch-positiv ist?‘“

Partner gab sich als negativ aus

Infiziert hat er sich bei einem Mann, der in einer Beziehung lebt und von sich behauptet hat, HIV-negativ zu sein. „Ich habe lieber etwas mit Leuten, die positiv und in Behandlung sind – Ich bin auf PrEP, bei dir ist er nicht nachweisbar, die Chancen einer Ansteckung liegen bei ungefähr minus zehn Prozent – aber bei diesem Typen habe ich diese Regel gebrochen.“

Von der Wirksamkeit der Präexpositionsprophylaxe ist Joe aber nach wie vor überzeugt – auch wenn er diese eine Ausnahme war, bei der sie nicht gewirkt hat. „PrEP ist ein kalkuliertes Risiko. Es ist für die Menschen wichtig, dass es die Möglichkeit gibt – anders als in der Vorstellung, dass es keine nachgewiesenen Infektionen auf PrEP gibt. Jetzt gibt es zumindest eine, das macht es real.“

Hätte Joe wieder die Möglichkeit, würde er erneut die Medikamente für eine PrEP nehmen. „Ich würde nur keinen Sex mehr mit dieser einen Person haben“, sagt er rückblickend. Ärzte und Aidshilfen empfehlen deshalb zusätzlich zur Präexpositionsprophylaxe immer die Verwendung von Kondomen.