Labour bekommt doch keine offen lesbische Vorsitzende

Angela Eagle zieht ihre Kandidatur zurück

Angela Eagle
BBC

Die offen lesbische Politikerin Angela Eagle wird nicht für den Vorsitz der britischen Labour-Party kandidieren. Das hat sie am Dienstag überraschend angekündigt. In der Vorwoche hat sie als erste hochrangiges Parteimitglied angekündigt, gegen den unbeliebten Parteichef Jeremy Corbyn zu kandidieren. Doch mittlerweile ist sie jene Kandidatin, die von den anderen Abgeordneten am wenigsten Unterstützung bekommen hat.

Wurde von deutlich weniger Abgeordneten unterstützt

So hat sich nach dem Vorpreschen von Eagle auch Owen Smith, der Schattenminister für Arbeit und Pensionen, aus der Deckung gewagt und erklärt, neben Corbyn für den Vorsitz der Labour-Partei zu kandidieren. Für Smith haben sich 90 Abgeordnete ausgesprochen, für Eagle waren es zwanzig weniger.

Nach ihrem Rückzug hat die 55-jährige Ex-Gewerkschafterin angekündigt, Smith zu unterstützen, um die Einheit der Partei zu wahren: „Ich unterstütze Owen mit meiner ganzen Begeisterung und Kraft“, sagte sie in einer ersten Stellungnahme: „Im Moment haben wir eine Labour Party, die nicht funktioniert. Wir haben einen Vorsitzenden, der nicht das Vertrauen der Abgeordneten hat und das Land nicht erreicht.“

Seitenhieb auf sexuelle Orientierung der Gegenkandidatin?

Noch am Montag hatte Smith in einem Interview mit dem Nachrichtensender Sky News für Aufregung gesorgt, weil er gesagt hatte, er wuchs „in einem normalen Haushalt auf. Ich habe eine Ehefrau und drei Kinder“ – ganz offensichtlich ein Seitenhieb auf die offen lesbische Angela Eagle, die ohne Kinder in einer Lebenspartnerschaft lebt.

Doch während bei den Konservativen eine ähnliche Äußerung von Andrea Leadsom dafür sorgte, dass sie sich aus dem Rennen für den Parteivorsitz zurückziehen musste und das Feld der kinderlosen, aber heterosexuellen Theresa May überlassen musste, ist Labour bei solchen Äußerungen offenbar nachsichtiger: Ein Sprecher von Owen Smith erklärte dem „Evening Standard“, die Äußerung sei nicht als Vergleich zu Eagle gemeint gewesen.