[Video] Skateprofi Brian Anderson macht anderen schwulen Skatern Mut

"Die Leute hätten es ganz anders aufgenommen, wenn ich es vor 15 Jahren gesagt hätte"

Brian Anderson
Vice Sports

Als erster Profi-Skateboarder hat sich Brian Anderson als schwul geoutet. Der heute 40-Jährige gilt als Legende seines Sports – und will mit seinem Outing die Denkmuster in seiner Sportart aufbrechen.

Denn auch wenn Skateboarding als Inbegriff von Freiheit gilt, gibt es kaum eine Sportart und Subkultur, die so sexistisch und machohaft besetzt ist wie das Skateboarding. Mit seinem Outing zeigt er nun, dass Skateboarding noch immer das Zeug hat, gesellschaftlicher Vorreiter zu sein.

„Wir sind hier, um über die Tatsache zu reden, dass ich schwul bin“

„Mein Name ist Brian Anderson, ich bin ein Profi-Skateboarder und wir sind hier, um über die Tatsache zu reden, dass ich schwul bin“, beginnt er die 26 Minuten dauernde Dokumentation für „Vice Sports“. Zum ersten Mal spricht ein professioneller Skateboarder darüber, dass er schwul ist.

„Ich dachte nie, dass ich vor einer Kamera sitzen würde, um darüber zu reden, dass ich schwul bin, aber ich wollte das jetzt tun“, so Anderson. Doch dann sah ihn ein Freund zufällig mit einem anderen Mann. Er beschloss, ihn einzuweihen, sagte es nach und nach immer mehr Leuten.

Über sein Schwulsein reden hat Brian Anderson befreit

Schließlich entschloss sich Brian Anderson, seine Homosexualität öffentlich zu machen – weil es ihn befreit hat und er junge Skater ermutigen will: „Ich denke daran, wie ich mich gefühlt habe, als ich jünger war und völlig verängstigt – eine Menge dieser Kids haben keine Hoffnung.“ Dass er schwul sei, wusste er schon mit drei oder vier Jahren, erzählt er im Gespräch mit „Vice Sports“.

Und auch, wenn es unter einigen schwulen Männern eine erregende Vorstellung sein mag: Sex unter Skatern hat es für Brian Anderson übrigens nie gegeben. „Ich stehe nicht auf andere Skateboarder, deshalb habe ich mich wohl gefühlt, weil ich sie nie auf diese Weise angeschaut habe“, erklärt er. Dafür galt sein Interesse einer anderen Gruppe: „Ich denke, ich habe eher auf die Cops gestanden, die uns manchmal rausgeschmissen haben.“ Wenn ihm ein sexy Polizist einen Platzverweis gegeben hat, hat Anderson im dann noch nachgeschaut und den Rest des Tages ein Lächeln auf den Lippen gehabt, erzählt er.

Mit seinem Coming Out will er jungen schwulen Skatern helfen, zu ihrer sexuellen Orientierung stehen zu können. Dass sich Brian Anderson erst heute als schwul outet, hat auch mit den Veränderungen in der Gesellschaft zu tun: „“Ich hatte große Angst davor, und die Leute hätten es ganz anders aufgenommen, wenn ich es schon vor 15 Jahren gesagt hätte“, erinnert er sich.

Skater-Szene ist sexistisch und homophob

Denn die Skateboard-Szene gilt noch immer als sexistisch und homophob. Auf ze.tt erinnert sich Manuel Bogner auf eine Geschichte in der deutschen Skater-Szene, die ungefähr zehn Jahre her ist: „Damals kam plötzlich das Gerücht auf, dass ein erfolgreicher Skater schwul sei. Alle sagten, dass das völlig egal und seine Sache sei – aber er hörte schließlich auf, professionell zu skaten. Man sah ihn weder auf großen Wettbewerben und noch in Magazinen.“

Die meisten jungen Burschen, die auf den Skateplätzen herumfahren, kennen selbst niemanden, der schwul ist. „Als 15-Jähriger war ich wohl auch homophob“, gibt auch Patrick O’Dell, Macher des Skater-Videomagazins „Epicly Later’d“ zu. „Es gibt viele Geschäftsleute, die keinen offen schwulen Skater sponsern würden, weil sie nicht anecken wollen“, ergänzt Michael Brooke, Chefredakteur des kanadischen Skate-Magazins „Concrete Waves“.

Brian Anderson gilt als einer der vielfältigsten und kreativsten Köpfe im Skateboarding. So hat er 1998 den „Thrasher Skater of the Year Award“ gewonnen, ein Jahr später in Deutschland den „Münster Monster Mastership“. Im gleichen Jahr wurde er vom „Thrasher“-Magazin zum „Skater of the Year“ gekürt. Seit Jahren wird er von Nike gesponsert, seine Videoparts für seine Boardsponsoren „Toy Machine“ und „Girl Skateboarding“ zählen bis heute zu den Sternstunden der Skateboardgeschichte.