[Video] Zehntausende demonstrieren in Paris gegen Ehe-Öffnung

Bei der Zahl der Teilnehmer gehen offizielle Angaben und Schätzungen der Veranstalter sehr weit auseinander

Manif pour tous
Manif pour tous/Twitter

In Paris hat am Sonntag die katholisch-konservative Bewegung „Manif pour tous“ (Demo für alle) dafür protestiert, die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare wieder abzuschaffen. Über die Zahl der Teilnehmer gibt es stark schwankende Angaben.

Veranstalter zählen 200.000 Teilnehmer, Polizei nur ein Zehntel

So sprachen die Veranstalter von 200.000 Teilnehmern, die Polizei konnte allerdings nur 24.000 zählen. Unter den Teilnehmern waren auch einige konservative Politiker sowie Marion Maréchal-Le Pen vom Front National. Sie zählt in der Frage der Ehe-Öffnung auch innerhalb ihrer Partei zu den Hardlinern.

Das sind deutlich weniger als bei den letzten Demonstrationen vor zwei Jahren, kurz vor Verabschiedung des Gesetzes zur Öffnung der Ehe. Damals konnten die Organisatoren eigenen Angaben zufolge eine halbe Million Franzosen mobilisieren, die Polizei zählte allerdings auch hier mit rund 70.000 deutlich weniger.

Rechtskatholiken wollen Rolle bei der Präsidentenwahl spielen

„Dieser Protest gibt uns Stärke und ist ein Erfolg“, ist Organisatorin Ludovine de La Rochère trotzdem überzeugt: Die Öffentlichkeit bleibe mobilisiert, das „Manif pour tous“ möchte auch im kommenden Präsidentschafts-Wahlkampf eine Rolle spielen. „2017 werde ich für die Familie stimmen“, stand auf einem der Spruchbänder. Der derzeitige Präsident François Hollande gefährde die traditionelle Familie, ist de La Rochère überzeugt.

Dabei steht eine Rücknahme der Ehe-Öffnung in Frankreich nicht auf der politischen Tagesordnung. Kein Bewerber um das Amt des Präsidenten mit Ausnahme Jean-Frédéric Poisson von der kleinen Christdemokratischen Partei fordert sie. Seit 2013 ist die Ehe auch in Frankreich für schwule und lesbische Paare geöffnet.

Auch gegen Transgender-Rechte

Allerdings hat das „Manif pour tous“ ihren Forderungskatalog erweitert. So protestieren die Ehe-Gegner nun auch gegen die Verbreitung einer „Gender-Ideologie“ an französischen Schulen oder die Freigabe von künstlicher Befruchtung, Leihmutterschaft oder Adoption für gleichgeschlechtliche Paare. Und dafür können sich einige konservative Politiker durchaus erwärmen.

Auch auf der Abschussliste der Rechtskonservativen: Ein Gesetz zur Stärkung der Rechte von Transsexuellen, das letzte Woche verabschiedet wurde. Demnach wurde die Zwangssterilisation als Grundvoraussetzung für eine rechtliche Änderung des Geschlechts abgeschafft. Die rechten und klerikalen Demonstranten sehen darin eine „Abschaffung der natürlichen Geschlechter“.

Gewaltsame Ausschreitungen gegen Demo-Gegner

Am Rande der Veranstaltung kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gegenüber Gegendemonstrantinnen: So zeigen Videoaufnahmen des Senders BMF-TV, wie sechs Aktivistinnen der Gruppe „Femen“ von Teilnehmern und Ordnern der Demonstration angegriffen und weggeschleppt wurden. Auch andere Gegendemonstranten sollen von Teilnehmern tätlich angegriffen worden sein.

Die Frauen demonstrierten mit nacktem Oberkörper, darauf hatten sie Parolen wie „Hass ist kein Familienwert“ geschrieben. Sie wurden anschließend von der Polizei festgenommen. Diese meldete insgesamt 13 Festnahmen.

Friedlicher Gegenprotest am Place de la République

Friedlich verlief hingegen ein Protest gegen das „Manif pour tous“ am Place de la République im Herzen von Paris: Dort hatten sich mehrere tausend homo- und heterosexuelle Menschen zu einem Kiss-In versammelt. Damit wollten sie ein Zeichen für Vielfalt setzen.