Anzeige gegen Weihbischf Laun und Linzer Portal kath.net

SPD-Politiker haben den Geistlichen und das Internetportal wegen Verhetzung angezeigt

Andreas Laun
Josef Kuss/Bischofskonferenz

Für den Salzburger Weihbischof Andreas Laun und das in Linz ansässige Internet-Portal „kath.net“ gibt es Ungemach: Mehrere SPD-Politiker haben gemeinsam Strafanzeige und Strafantrag gegen die beiden gestellt. Grund dafür ist ein homophober Text des 75-jährigen Geistlichen. Als Reaktion dazu veröffentlicht die Seite ein Interview mit einem Evolutionsforscher, der behauptet, es gebe in Deutschland keine Meinungsfreiheit mehr.

Homosexuelle sind für Laun „gestörte Männer und Frauen“

In dem „Hirtenbrief“ von Laun, der am 24. März 2017 bei kath.net erschienen ist, bezeichnet Laun Homosexuelle unter anderem als „gestörte Männer und Frauen“ mit „anatomischer Missbildung“. Außerdem drängt er Lesben und Schwule in die Nähe von Pädophilen, so der Vorwurf der SPD-Politiker.

Homosexualität und Genderstudien stelle der Salzburger Weihbischof sowohl in ihrer Handlungsweise als auch in ihrem Ziel auf eine Stufe mit dem Nationalsozialismus und seiner Rassen- und Vernichtungsideologie, heißt es in der Anzeige. Laun fordere in dem „Hirtenbrief“ die Leser des Portals dazu auf, diese Entwicklung mit „gottgegebenen Waffen“ zu bekämpfen.

„Das Vokabular ist eines Christenmenschen unwürdig“, sagt SPD-Abgeordneter Karl-Heinz Brunner

„Bei solchen menschenverachtenden und hetzenden Äußerungen ist auch strafrechtlich gegen einen Bischof der katholischen Kirche vorzugehen“, erklärt Christopher Jäschke, stellvertretender Landesvorsitzender von SPDqueer in Berlin. Gemeinsam mit den Bundestagsabgeordneten Karl-Heinz Brunner, Eva Högl und Johannes Kahrs hat er deshalb gegen den römisch-katholischen Bischof und die Betreiber der Internetseite bei der Staatsanwaltschaft in Berlin Strafanzeige gestellt. Diese muss jetzt – da Laun österreichischer Staatsbürger ist und sich auch kath.net in Österreich befindet – versuchen, über ein Rechtshilfeersuchen eine strafrechtliche Verfolgung in Österreich zu erreichen.

„Mit seinen böswilligen Äußerungen bedient sich Bischof Laun eines Vokabulars, wie ich es nur von Diktatoren oder Islamisten kenne. Eines Christenmenschen unwürdig!“ kritisiert Brunner den ultrakonservativen Geistlichen. Dem Nachrichtenportal kath.net werfen die SPD-Politiker unter anderem die Verbreitung und Veröffentlichung von Schriften, die zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufrufen, vor.

Andreas Laun reagiert demonstrativ trotzig

Auf kath.net selbst gibt es über die Strafanzeige keine Meldung. Stattdessen veröffentlicht das Portal ein Interview mit dem umstrittenen „Evolutionsforscher“ Ulrich Kutschera. „Eine Meinungsfreiheit, wie sie im Grundgesetz verankert ist, kann ich derzeit in Deutschland kaum mehr erkennen“, sagt er der katholisch-konservativen Nachrichtenseite. Man lebe in einer „kleinkarierten Neid-Gesellschaft“, in der „unabhängige Freidenker mit eigenen Ansichten und konstruktiven Ideen unerwünscht“ seien.

Laun selbst reagiert demonstrativ trotzig auf die Ankündigung der deutschen Sozialdemokraten. „Dann sollen sie’s machen“, wird der Weihbischof im „Kurier“ zitiert. Verständnis für die Anzeige hat er keines – schließlich seien die Reaktionen auf seinen „Hirtenbrief“ „großteils positiv“ gewesen, behauptet Andreas Laun. Und meint: „Ich wollte nicht provozieren, sondern habe nur sachlich etwas erklärt.“

Andreas Laun vollendet im Oktober 2017 sein 75. Lebensjahr und wird, wie alle seine Amtskollegen, im Vorfeld den Rücktritt einreichen. In der Erzdiözese rechnet man derzeit täglich mit dem Dekret, das seinen Nachfolger benennt. Die Entscheidung fällt die päpstliche Bischofskongregation in Rom.