[Video] Tschetschenen bedrohen Journalistin, die Schwulen-Verfolgung aufdeckte

15.000 Menschen kamen zusammen und fordeten Rache, weil sie die "Ehre der tschetschenischen Nation" beleidigt habe

Elena Milaschina
Screenshot: BBC/Victoria Derbyshire Show

Jene russische Journalistin, die als erste über die Verschleppung schwuler Männer in Tschetschenien berichtet hat, muss sich nun verstecken – in der größten Moschee der Kaukasusrepublik wurden sie und ihre Kollegen für vogelfrei erklärt. Das hat sie nun der BBC offenbart.

„Novaya Gazeta“-Journalistin Elena Milaschina deckte die Geheimgefängnisse für schwule Männer auf

Normalerweise lebt Elena Milaschina in Moskau. Doch der derzeitige Aufenthaltsort der „Nowaya Gaseta“-Journalistin ist geheim. Der Grund dafür sind ihre Recherchen zu dem, was derzeit in Tschetschenien mit hunderten schwulen Männern geschieht: Sie werden von Regierungstruppen in Geheimgefängnisse verschleppt und misshandelt, einige überleben diese Behandlung nicht.

Dass diese Praktiken an die Öffentlichkeit geraten sind und die Kaukasusrepublik nun massivem internationalen Druck ausgesetzt ist, gefällt offenbar einigen wichtigen Menschen in Tschetschenien nicht. Wie Milaschina der BBC-Journalistin Victoria Derbyshire erzählt hat, wird sie nun von Tschetschenen gesucht.

„Sie haben uns den Jihad erklärt“

„Sie haben darauf in einer beängstigenden Weise reagiert. Am 3. April sind in der größten Moschee von Grosny 15.000 Menschen zusammengekommen und haben uns den Jihad erklärt. Nicht nur mir persönlich, sondern allen Journalisten der ‚Nowaya Gaseta‘“, berichtet Milaschina: „Sie haben gesagt, die Redakteure, die dieses Thema aufgebracht hätten, haben die Ehre der tschetschenischen Nation beschädigt und sollten dafür büßen.“

Über ihre Recherchen sagt Elena Milaschina: „Wir wissen von vier Geheimgefängnissen. Zwei von ihnen sind in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny, eines in Argun – das ist das erste Geheimgefängnis, von dem wir erfahren haben, dass LGBT-Personen dorthin verschleppt, geschlagen, gefoltert und getötet werden. Wir haben diese Information vor drei oder vier Wochen bekommen und begonnen, sie zu verifizieren.“

Die Informationen zu bestätigen war für die „Nowaya Gaseta“ sehr schwer – auch, weil es nicht leicht ist, Kontakt zu Schwulen oder Lesben in Tschetschenien zu bekommen. „Die Region ist für diese Menschen sehr hart und sie müssen sich verstecken“, erklärt die Journalistin der BBC. Die tschetschenische Regierung hat die Anschuldigungen bestritten – „auch, wenn sie nicht bestritten haben, dass sie diese Leute umbringen würden, wenn sie sie in Tschetschenien finden.“