Sprachregelung für Ehe-Öffnung für australischen Rundfunk

Vor dem Referendum macht der verantwortliche Manager auf die Begrifflichkeiten aufmerksam

ABC Australien
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In Australien werden die Wähler vermutlich noch dieses Jahr über die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare abstimmen. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt ABC rüstet sich schon jetzt – unter anderem mit einer Sprachregelung.

„Die bevorzugte Formulierung ist ‚gleichgeschlechtliche Ehe‘“

In einer internen Mitteilung an alle Mitarbeiter hat der für redaktionelle Richtlinien zuständige Manager Mark Maley das ABC-Team darauf aufmerksam gemacht, dass die Wortwahl wichtig sei: „Die bevorzugte Formulierung ist ‚gleichgeschlechtliche Ehe‘, besser als ‚Ehe-Gleichheit‘ oder ‚Homo-Ehe‘“, heißt es in der Mitteilung.

Denn es gehe um den Ruf des Senders: „Bitte bedenken sie, dass etwa 40 Prozent der Bevölkerung gegen die Änderung sind und – noch wichtiger – die ABC keine Meinung zu diesem Thema hat. In dieser aufgeladenen Atmosphäre möchte ich jeden erinnern, bei sozialen Medien umsichtig zu agieren. Sich für die eine oder andere Seite einzusetzen macht es für die ABC schwieriger, als unparteiisch gesehen zu werden. Je bekannter sie sind, desto wichtiger ist Diskretion“, so Maley.

Die Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sollen unabhängig berichten – aber Hass nicht dulden

Dem entsprechend soll die ABC auch entsprechend ausgewogen über die Abstimmung berichten. „Ohne Zweifel werden sich einige Leute von den Argumenten und Meinungen beider Seiten angegriffen fühlen. Das kann nicht verhindert werden und wir sollten keine Debatte, die im guten Glauben geführt wird, zensieren. Trotzdem sagen die redaktionellen Richtlinien, dass wir unsere Zuhörer und Zuseher nicht ohne redaktionelle Einordnung lassen sollten und wir Vorurteile und Diskriminierung nicht dulden oder dazu ermutigen sollten“, so der Redaktionsmanager weiter.

Der australische Premierminister Malcom Turnbull hat angekündigt, die Öffnung der Ehe von einer Volksabstimmung abhängig zu machen. Dagegen ist die oppositionelle Labour-Party: Sie möchte, dass das Parlament in freier Abstimmung darüber entscheidet und hat die Pläne der Regierung im australischen Senat blockiert. Daraufhin hat Turnbull eine Art Briefwahl angekündigt – die zwar mehr als 100 Millionen australische Dollar kostet, dafür aber rechtlich nicht bindend ist.