Griechenland: Orthodoxe Kirche gegen neues Gesetz zu Geschlechtsidentität

Mönche von Athos sind beunruhight, dass dann auch Frauen auf den "Heiligen Berg" kommen könnten

Unisex-Toiletten
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Griechenland ist gerade dabei, ein fortschrittlicheres Gesetz über die Änderung der Geschlechtsidentität zu bekommen. Heftiger Widerstand dagegen kommt von der griechisch-orthodoxen Kirche – besonders von der Mönchsrepublik am Berg Athos.

Geschlechtsangleichungen sollen einfacher werden

Das griechische Parlament soll ab heute über das neue Gesetz beraten. Es sieht unter anderem vor, dass amtliche Geschlechtsangleichungen einfacher und durch ein Gericht möglich sein sollen.

Unterstützt wird er Entwurf des Justizministeriums von der regierenden Linkspartei SYRIZA, deren Koalitionspartner ANEL, der Demokratischen Allianz (DISY) und von der liberalen To Potami. Die größte Oppositionspartei ND hat zu diesem Thema noch keine Stellung bezogen. Die kommunistische KKE, die faschistische Chryssi Avgi und die Zentrumsunion sind dagegen. LGBT-Organisationen haben bereits knapp 24.000 Unterschriften gesammelt, um die Gesetzesnovelle zu unterstützen.

Bis jetzt sind psychologische Behandlung und eine geschlechtsangleichende Operation verpflichtend, um sein Geschlecht in Griechenland auch amtlich ändern zu können. Besonders empört Gegner des Gesetzes, dass Jugendliche schon ab ihrem 15. Lebensjahr das Recht haben, ihr amtliches Geschlecht zu ändern. Sie brauchen dafür das Einverständnis ihrer Eltern sowie die Zustimmung eines Fachkommitees.

Angst vor der Kirche: Jetzt bremst Premier Tsipras

Doch nun drückt die Regierung unter Premierminister Alexis Tsipras auf die Bremse, berichten griechische Medien. Grund dafür ist der Widerstand der griechisch-orthodoxen Kirche, der dem Regierungschef auch wertvolle Wählerstimmen kosten könnte, erklärte ein mit der Sache betrautes Mitglied der regierenden Linkspartei.

Und die Meinung der orthodoxen Kirche ist in Griechenland wichtig: Mehr als 90 Prozent der Griechen erklären in Umfragen, sie seien griechisch-orthodoxen Glaubens. Die Kirche hat in vielen Bereichen des Alltags noch immer großen Einfluss.

Kirche warnt: Gesetz würde zu mehr psychischen Problemen führen

„Das Gesetz torpediert die heilige Institution der Familie“, warnt demnach die Bischofssynode der orthodoxen Kirche die Regierung. Das Geschlecht sei bei der Geburt festgelegt und könne nicht geändert werden, so die Geistlichen. Das Gesetz würde zu mehr Identitätskrisen und psychischen Problemen sorgen anstatt diese zu minimieren, sind die Bischöfe überzeugt.

„Unsere Vorfahren werden sich aus ihren Gräbern erheben, wenn wir nicht reagieren“, warnt sogar ein Sprecher der autonomen Mönchsrepublik Berg Athos im Norden Griechenlands. Grund für die Aufregung auf dem Berg Athos ist das „Avaton“, das Verbot für Frauen, die der Jungfrau Maria geweihte Landzunge zu betreten.

Auf dem Berg Athos herrscht Angst vor Frauen auf der Halbinsel

Dieses könnte durch das neue Transsexuellengesetz verletzt werden, fürchten die Geistlichen. In der Mönchsrepublik leben Schätzungen zufolge derzeit etwa 2.300 Mönche aus fast allen Staaten mit orthodoxer Bevölkerung.

Verwaltet wird sie von den Äbten der 20 Kloster, die sich auf dem Gebiet befinden. Unterstützt werden sie von rein männlichem Verwaltungs- und Polizeipersonal. Zusätzlich zu den Klostern gibt es 14 Skiten, das sind kleine, dorfähnliche Mönchssiedlungen. Die griechische Regierung wird von einem Verwalter und der Polizei vertreten.