[Galerie] Küssendes Männerpaar auf Plakaten empört die Niederlande

Heruntergerissen, angesprayt oder verklebt: Heftige Proteste gegen die Werbung eines Herrenausstatters

SuitSupply-Plakat
Twitter

Die Werbekampagne eines Herrenausstatters lässt in den Niederlanden die Wogen hochgehen: Weil sich auf dem aktuellen Plakat von SuitSupply zwei Männer leidenschaftlich küssen, werden aus dem ganzen Land Vandalismus-Vorfälle gemeldet.

Im ganzen Land werden die Plakate zerstört oder unkenntlich gemacht

Bilder, die User aus den ganzen Niederlanden auf Twitter und Facebook teilen, zeigen: In Groningen wurden die Gesichter des Paares mit gelbem Klebeband unkenntlich gemacht. In Vlaardingen, eine Stunde von Amsterdam entfernt, wurde der Kuss mit schwarzem Klebeband zensiert. Woanders wurde das Plakat übersprüht, begleitet von Hakenkreuzen oder schwulenfeindlichen Sprüchen, verschmutzt oder gewaltsam aus der Halterung gerissen.

Auf Instagram hat SuitSupply an dem Tag, an dem es die Kampagne mit Männerpaaren gestartet hat, mehr als 14.000 Follower verloren. Auch die für Werbung zuständige Behörde hat einige Beschwerden über das Motiv erhalten.

Auch für die Firma kommt die Wucht der Proteste unerwartet

Fokke de Jong, Geschäftsführer von SuitSupply, ist über den Vandalismus entsetzt. „Sicherlich haben wir einige extreme Reaktionen erwartet, aber nicht so heftig, und sicher nicht in den Niederlanden“, sagte er dem niederländischen Online-Portal NU.nl. Die Firma hat fast 100 Filialen in 22 Ländern weltweit.

Die in Amsterdam beheimatete Firma habe auch Drohbriefe erhalten, bestätigt de Jong:  „Viele Leute fragen uns, wie sie die Plakate ihren Kindern erklären sollen. Diese Fragen bekommen wir nie, wenn wir ein sexuell konnotiertes Plakat mit einem Mann und einer Frau verwenden.“

SuitSupply möchte sich dem Druck der Straße nicht beugen – und weitermachen

Doch SuitSupply will sich dem Druck nicht beugen: „Eine Kampagne, in der es um die Anziehung zwischen Männern geht, war lange fällig und ist für unsere Marke besonders relevant“, erklärte der Geschäftsführer der niederländischen Zeitung Metro.

Er kann den Diskussionen auch etwas Gutes abgewinnen: „Dank dieser Kampagne entdeckt uns eine vollkommen neue Kundenschicht. Wir haben auch positive Rückmeldungen bekommen, aber ich verstehe, dass man eher über die negativen Kommentare redet.“ Er deutet in dem Interview auch an, dass die Firma weitere Kampagnen „zu diesem Thema, mit dem nicht jeder einverstanden ist“ plant.

COC Nederland, die älteste LGBT-Organisation der Welt, hat die Beschädigungen der Plakate verurteilt. Auch Pride Amsterdam hat zu den Vorfälle Stellung bezogen. „Wir werden manchmal gefragt, warum es noch immer notwendig ist, eine Pride zu organisieren. Hier ist die Antwort“, schrieben sie auf Facebook zu einigen Bildern von beschädigten Plakaten.