„Kirche segnet Häuser, Tiere und Motorräder – aber keine homosexuellen Paare“

Deutliche Worte der ehemaligen Umweltministerin Barbara Hendricks bei einer Podiumsdiskussion auf dem Katholikentag in Münster

Barbara Hendricks
BMUB/Susie Knoll

Lebhafte Diskussionen gab es bei einem Podiumsgespräch der Arbeitsgemeinschaft „Homosexuelle und Kirche“ auf dem Katholikentag in Münster. So hat sich der Essener Weihbischof Ludger Schepers für einen neuen Umgang der Kirche mit sexuellen Minderheiten ausgesprochen, die offen lesbische SPD-Politikerin Barbara Hendricks hat kritisiert, dass die Kirche keine gleichgeschlechtlichen Paare segnet.

Essener Weihbischof macht Klar: „Schwule sind von Gott gewollt“

„Schwule sind von Gott gewollt, da gibt es nichts zu diskriminieren“, erklärte der Essener Weihbischof. Die römisch-katholische Kirche müsse „ihre Schuldgeschichte anerkennen in der Verfolgung und Missachtung dieser Menschen“, kritisierte der Weihbischof die eigene Kirche ungewohnt scharf.

Das Thema Sexualität sei in der katholischen Kirche „überproportional vertreten“, kritisierte Schepers, der auch der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz angehört. Er wünsche sich eine offene Diskussion über das Thema, nicht nur in der Deutschen Bischofskonferenz.

Barbara Hendricks kritisiert fehlenden Segen und Mangel an Solidarität

Deutliche Worte fand auch Barbara Hendricks. Die ehemalige Umweltministerin, die seit Oktober mit ihrer Partnerin verheiratet und Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ist, machte klar: Es könne nicht sein, dass „Häuser, Tiere und Motorräder“ gesegnet würden, aber keine Schwulen und Lesben. Die Kirche habe zwar das Recht, das Sakrament der Ehe der Verbindung von Mann und Frau vorzubehalten, „aber sie darf schwulen und lesbischen Paaren einen Segen nicht verweigern“.

Außerdem kritisierte Hendricks, dass die Amtskirche zu wenig Solidarität mit sexuellen Minderheiten zeige, die verfolgt werden. Es dürfe nicht sein, dass wie in Uganda die Bischöfe zu Pogromen gegen Homosexuelle schwiegen, die von evangelikalen Christen geschürt worden seien. „Ihnen müsste der Vatikan den Rücken stärken, damit die Bischöfe aufstehen und sagen: Nein, auch die Homosexuellen sind Geschöpfe Gottes.“

„Mein Gott ist schwul und er ist mit mir sehr einverstanden.“

Skeptisch über die Reformfähigkeit der römisch-katholischen Kirche war der ehemalige Bundesanwalt und LSVD-Sprecher Manfred Bruns. Die Kirche sei reformunfähig, solange sie von einer „Riege alter Männer geführt wird, die keine erfüllte Partnerschaft erlebt“, ist er überzeugt. Das kirchliche Dogma der Unfehlbarkeit würde auf dem Spiel stehen, „wenn sie zugeben würde, dass sie jahrhundertelang falsch gelegen hat“.

Bruns, der nach eigenen Worten aus einer streng katholischen Familie stammt, erzählte bei der Diskussion, dass er als junger Mann darüber nachgedacht habe, sich umzubringen. Dann habe er jedoch erkannt: „Mein Gott ist schwul und er ist mit mir sehr einverstanden.“