Spanien: Offen schwuler Kulturminister muss nach sechs Tagen zurücktreten

Weil er mehr als 200.000 Euro Steuern hinterzogen haben soll - er selbst beteuert seine Unschuld

Máxim Huerta
RTVE

Groß war die Freude, als der neue spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez sein neues Kabinett präsentierte: Nicht nur war die Mehrheit der Ministerposten mit Frauen besetzt, auch zwei offen schwule Männer bekamen Ressortverantwortung. Nun musste einer der beiden nach rekordverdächtigen sechs Tagen im Amt bereits zurücktreten.

Vom Bestseller-Autor und Nachrichtenmoderator zum Ex-Minister in weniger als einer Wochew

Der 47-jährige Máxim Huerta, Minister für Erziehung, Kultur und Sport, verkündete Mittwochabend seinen Rücktritt. Damit ist er in der Geschichte Spaniens jener Minister, der am kürzesten im Amt war. Huerta, der vor seinem Wechsel in die Politik ein bekannter Nachrichtenmoderator und Beststellerautor war, reagierte damit auf die Berichte den spanischen Online-Magazins „El Confidencial“, er habe Steuern hinterzogen.

So soll Huerta letztes Jahr wegen Steuerbetrugs verurteilt worden sein: Zwischen 2006 und 2008 soll er gut 200.000 Euro Steuern hinterzogen haben. Dazu hat er eine eigene Firma gegründet, um nur die niedrigen Steuersätze für Unternehmen zu zahlen. Noch Mittwochfrüh hatte der 47-Jährige in einem Radiointerview einen Rücktritt kategorisch ausgeschlossen.

Er habe keine Steuern hinterzogen, betont Máxim Huerta bei einer Pressekonferenz

Bei der Bekanntgabe seines Rücktritts beharrte Máxim Huerta darauf, unschuldig zu sein: Die Nachzahlung sei Folge der „Änderung der Steuerrichtlinien“ gewesen, von der hunderte „Schriftsteller, Schauspieler, Moderatoren und Radiosprecher“ betroffen gewesen seien. Gleichzeitig bestätigte er Nachzahlungen und eine Geldstrafe in der Höhe von gut 365.000 Euro an das Finanzamt in dieser Sache.

„Ich habe diese Strafe zweimal bezahlt. Einmal beim Finanzamt… und jetzt noch einmal“, betonte der Minister bei einer Pressekonferenz. Zurückgetreten sei er, um Schaden von der neuen Regierung abzuwenden, betont Huerta. Auf Twitter schrieb er: „Um das, was man am meisten liebt, zu verteidigen, muss man manchmal zurücktreten“ – mit einem Foto, das ihn von hinten zeigt.

Kurz nach der Bestellung Huertas zum Sportminister stellte sich heraus, dass er gar keinen Sport mag

Schon zuvor hatte Huerta für Aufregung gesorgt. Nach seiner Bestellung zum Sportminister tauchte ein Tweet aus dem April 2010 auf, in dem er schrieb, Sport zu hassen. „Ich mag es nicht, Sport zu treiben, aber ich liebe Sport“, bemühte sich der preisgekrönte Autor daraufhin um Schadensbegrenzung.

Das letzte verbliebene offen schwule Mitglied der neuen sozialistischen Regierung ist nun Innenminister Fernando Grande-Marlaska- Der 55 Jahre alte Jurist war zuvor Mitglied im Generalrat der rechtsprechenden Gewalt, dem obersten spanischen Organ der Justizverwaltung. Kurz nach der Öffnung der Ehe im Jahr 2005 hat er seinen langjährigen Partner Gorka Gómez geheiratet.