Homosexuelle in St. Petersburg dürfen nicht schweigen

Die Behörden in St. Petersburg haben eine Aktion von Lesben und Schwulen gegen Diskriminierung und Fremdenhass nicht genehmigt. Wie der Organisator der Aktion, Igor Petrow, berichtet, haben die Behörden empfohlen, die Aktion am internationalen Tag des Schweigens, der dem Totschweigen der Diskriminierung sexueller Minderheiten gewidmet ist, nicht in der Stadtmitte, sondern im entfernt liegenden Tschernyschewski-Park abzuhalten. „Doch am Tag davor wurden wir informiert, dass dort eine Veranstaltung der Stadtpolizei stattfindet“, sagte Petrow.

Petrow leitet eine lesbischwule Gruppe in St. Petersburg. Die von ihm geplante Aktion sollte die Menschen auf die Probleme des Totschweigens von Diskriminierung, physischer und moralischer Gewalt sowie auf Verbrechen, die durch Fremdenhass und Intoleranz entstehen, aufmerksam machen.

Dennoch haben sich 15 Aktivisten im Tschernyschewski-Park getroffen. Sie haben sich auf Bänke gesetzt und sich den Mund mit Klebeband zugeklebt. Mit Plakaten, auf denen „Ich schweige, um mir Gehör zu verschaffen“ steht, sind sie durch den Park gegangen und haben Flugblätter an Passanten verteilt.

Die friedlich verlaufende Aktion wurde von einigen Polizisten und zahlreichen Journalisten beobachtet – deutlich mehr als Teilnehmer. Der Tag des Schweigens begann 1996 in den USA. Heuer ist er Lawrence King gewidmet, der im Februar 2008 im Alter von 15 Jahren von einem Mitschüler in Kalifornien umgebracht wurde, weil er schwul war. Der Tag des Schweigens sollte in Russland erstmalig stattfinden.

Den Veranstaltern zufolge haben sie die Verwaltung des Zentralen Stadtbezirks von St. Petersburg am 24. April über die Aktion in Kenntnis gesetzt und damals eine entsprechende Zustimmung erhalten.