Erzbischof Tutu: „Gott weint wegen Homo-Streit“

Der Kapstädter Alt-Erzbischof und Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu hat die Anglikanische Kirche scharf kritisiert, weil sie sich lieber wegen Homosexualität streite als die wirklich wichtigen Probleme zu lösen. Das berichtet die BBC.

Tutu sagte bei einer Konferenz in London, die Anglikaner sollten sich lieber um die wirklichen Probleme der Menschheit kümmern: Armut, Krankheit und Hunger. Stattdessen „verfolgt die Kirche aber diejenigen, die schon verfolgt sind“, so der 76-jährige Tutu. „Wir werden Kriege gegen den so genannten Terror nicht gewinnen können, so lange es Lebensbedingungen gibt, die Menschen verzweifeln lassen“. Er sagte, dass Gott weine, weil die Kirche Schwule verurteile, während Themen wie Armut als Nebensache gelten würden. „Liberale“ und „konservative“ Anglikaner müssten die jeweils andere Meinung akzeptieren.

Konservative Kirchen, vor allem aus Afrika, drohen seit Jahren mit der Abspaltung aus der angilikanischen Weltgemeinschaft, weil die europäischen und amerikanischen Anglikaner ihrer Meinung nach zu liberal gegenüber Schwulen und Lesben eingestellt sind.

Desmond Tutu war einer der lautstärksten Gegner des Apartheid-Regimes in Südafrika. 1984 erhielt er dafür den Friedensnobelpreis. Von 1986 bis 1996 war er Erzbischof von Kapstadt. Zudem sprach er sich wiederholt für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben aus. Im vergangenen Jahr entschuldigte sich Tutu bei Homosexuellen für die „Qualen“, die die Kirche ohne Not verursacht habe.