[Video] Moskauer Paraden-Organisator ruft zum Song-Contest-Boykott auf

Nach der gewaltsaman Auflösung des „Slawic Pride“, der Moskauer Lesben- und Schwulenparade, ruft Organisator Nikolai Alexejev zu einem Boykott des Song Contest auf, der heute in der russischen Hauptstadt stattfindet. „Ich rufe alle Künstler, die heute Abend beim Song Contest auftreten, dazu auf, die Veranstaltung heute abend zu boykottieren und eine Nachricht zu verbreiten, dass die Unterdrückund von Menschenrechten durch den russischen Staat nicht akzeptabel ist.“ Unter den Kandidaten des Song Contest heute abend ist auch der offen schwule Oscar Loya, der für Deutschland singt. Gegenüber dem „Stern“ sagte er, es sei ein Sieg für die Homosexuellen auch in Russland, wenn er gewinnen würde und ihm Putin zum Sieg gratulieren müsste. Zuvor hatte einer der niederländischen Teilnehmer einen Boykott angedroht, das Trio wurde aber im Halbfinale herausgewählt.

„Wir haben einen friedlichen Marsch geplant, um auf die düstere Situation der Rechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender im heutigen Russland aufzuzeigen.“, so Alexejev weiter. „Die Polizei, ausgestattet vom offen homphoben Bürgermeister Juri Luschkow mit dem Recht, Gewalt anzuwenden, hat ihre Waffen nicht zurückgehalten, obwohl die Medien der Welt zugesehen haben“, ist der Organisator empört.

Alexejew wurde bei der Auflösung der Demonstration von Polizisten der Spezialeinheit OMON an Händen und Füssen in ein Polizei-Fahrzeug getragen. Teilweise im Würgegriff wurden die Männer und Frauen aus Russland und Weißrussland vor der staatlichen Lomonossow-Universität abgeführt und in Gefängniswagen gesperrt. Auch ein US-Bürger ist unter den Verhafteten. Bei im soll es sich um den Aktivisten Andy Thayer handeln, berichtet ein britischer Journalist auf Facebook, der offenbar in Kontakt zu Peter Tatchell steht. Tatchell selbst wurde ebenfalls verhaftet und nach etwa einer Stunde wieder freigelassen. Über die genaue Zahl der Festgenommenen herrscht Unklarheit. Der deutsche Bundestagsabgeordnete Volker Beck von den Grünen berichtet von 40 Verhaftungen.

Im Gegensatz zur Lesben- und Schwulendemonstration waren Gegenveranstaltungen rechtsradikaler Gruppen genehmigt worden. Die Demonstranten hatten Plakate entrollt, auf denen die Einhaltung der Menschenrechte für Schwule und Lesben gefordert wurde. Die Polizei versuchte, die Medien mit Gewalt vom Ort der Auseinandersetzung zu vertreiben. So musste der Sender „Russia Today“ zwischenzeitlich seine Live-Berichterstattung aufgeben, weil die Polizei den Reporter des Platzes verwies und später von einem entfernteren Platz ebenfalls vertrieb.

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Berichterstattung des dänischen Fernsehens

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