Fünf Minister bei Lesben- und Schwulenparade in Split

Im letzten Jahr wurden die Teilnehmer der Lesben- und Schwulenparade im kroatischen Split noch von einem Mob militanter Demonstranten verprügelt. Heuer begleiteten sie sechs Kabinettsmitglieder, unter anderem der Innen- und die Außenministerin, sowie mehrere ausländische Diplomaten und kroatische Intellektuelle. Für Kroatien ist dies ein Jahr vor dem EU-Beitritt ein wichtiger Schritt nach vorne.

Denn die Parade in der dalmatinischen Hafenstadt galt auch als Test für die EU-Reife des Adriastaates. Dem entsprechend wurde sie auch von Brüssel genau beobachtet. Und die neue linksliberale Regierung, die den Veranstaltern volle politische Rückendeckung gegeben hat, hat diesen Test auch bestanden.

Split ist eine Hochburg konservativer Nationalisten. Im Vorjahr, bei der ersten Lesben- und Schwulenparade in der malerischen Hafenstadt, hatten homophobe Hooligans noch die Teilnehmer mit Steinen beworfen und gut ein Dutzend, darunter vier Journalisten, verletzt. Heuer griff die Polizei hart durch und kündigte eine Null-Toleranz-Politik an: 900 Polizisten schützten die rund 300 Teilnehmer und sperrten auch die Seitengassen des Stadtzentrums ab. Eine Gegendemonstration, zu der im Vorjahr noch tausende Teilnehmer gekommen waren, wurde nicht genehmigt. Die Polizei nahm trotzdem 50 Gegner fest.

Dass die Parade in Split zu einem Triumph der kroatischen Zivilgesellschaft werden sollte, war bis zuletzt nicht sicher: Die Vertreter von rechten und konservativen Organisationen und Parteien sprachen sich gegen die Homosexuellenparade im Stadtzentrum aus. Die Stadtverwaltung entschied deshalb letzte Woche, die Demonstration in die Außenbezirke zu verlegen.

Doch Innenminister Ranko Ostojić, in Split geboren, legte gegen die Entscheidung der Stadtverwaltung sein Veto ein: Er macht klar, kroatische Regierung möchte an der Riva. Staatschef Ivo Josipović erklärte, die Mehrheit in Kroatien verteidige europäische Werte, die Parade müsse stattfinden. „Wir sind ein europäisches Land,“ machte auch Aussenministerin Vesna Pusić deutlich. Sie marschierte deshalb auch an der Spitze der Parade, die von den Lesben- und Schwulen-Organisationen „Domina“, „Kontra“ und „Iskora“ organisiert wurde.

Für den Schwulenaktivist Marko Jurčić ist der Rückenwind aus Zagreb eine völlig neue Situation: „Das ist eine große Veränderung für uns“, sagt er der Wiener Tageszeitung „Der Standard“. Er ist sich sicher, dass die EU-Beitrittsverhandlungen die Situation für Lesben und Schwule in Kroatien so schnell verbessert haben: „Sonst hätte es uns viel mehr Zeit gekostet, zu warten, bis die Gesellschaft toleranter wird.“

Immerhin hat einer Umfrage aus 2007 zufolge jeder zweite Homo- und Transsexuelle in Kroatien Gewalt aufgrund der sexuellen Orientierung erfahren, erklärt Jurčić.

Doch Widerstand gegen die Parade gibt es dennoch in der kroatischen Bevölkerung, auch wenn er nicht neben Lesben und Schwulen demonstrieren darf. Die rechtskonservative „Hravtski List“ schrieb: „Auf dem gleichen Platz, wo unsere Heiligen gefeiert werden, wollen sie nun die Luft verpesten, die Mauern unserer Stadt bepissen, sie wollen Split vergewaltigen […] Wir müssen uns verteidigen.“

In Split selbst sieht man die Parade allerdings mit anderen Augen: Die wichtigste Zeitung der Region, die ehemals konservative „Slobodna Dalmatija“, hat einige prominente Künstler und sogar einige Priester zu Wort kommen lassen, die sich für die Lesben- und Schwulenparade in Split aussprechen.

Und eine ältere Frau sagte in einem Café am Rande der Parade: „Wer kann jemandem vorschreiben, wen er küssen will?“