Tel Aviv: Schwulenfreundlicher Bürgermeister wiedergewählt

In Tel Aviv ist der wohl schwulenfreundlichste Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters zu Ende gegangen. Kein Wunder – sind doch bis zu 20 Prozent der Einwohner homosexuell. Viele Einwohner macht das stolz. Amtsinhaber Ron Huldai, ein Sozialdemokrat, hat sich mit 53 Prozent der Stimmen durchgesetzt.

Er hat die Mittelmeermetropole seit seinem Amtsantritt vor 15 Jahren zur Schwulenhauptstadt des Nahen Ostens gemacht. Sein Herausforderer war der offen schwule Knesset-Abgeordnete Nitzan Horowitz von der linksliberalen Meretz-Partei. Er kam auf 38 Prozent.

Dieser hat beim Wahlkampf massiv auf die Stimmen schwuler und lesbischer Bewohner gesetzt: Er warb unter anderem mit dem Slogan „Eine Stimme schickt fünf Schwule in den Stadtrat“ – denn es sind fünf offen homosexuelle Kandidaten auf den Listen. Und eine ehemalige lesbische Stadtratsabgeordnete unterstützte Horowitz in Anzeigen mit dem Slogan „Eine schwule Stadt braucht einen schwulen Bürgermeister“.

Tel Aviv ist eine liberale Blase im konservativen Israel. Das hat Huldai erkannt. Vor 15 Jahren hat er noch gesagt, zwei Schwule, die sich küssen, ekeln ihn wie Kakerlaken. Doch seit Jahren hält er die Eröffnungsrede für die Tel Aviv Pride und ist in der schwul-lesbischen Community sehr präsent.

Doch es gibt auch Kritik an dem erfolgreichen Bürgermeister: Die Mittelklasse sei vernachlässigt worden. In erster Linie sei Luxus-Wohnraum geschaffen worden, die jungen Menschen, auf die Tel Aviv stolz ist, können sich Wohnraum in der Stadt nicht mehr leisten.