Gleichstellung von Lesben und Schwulen: Westerwelle kritisiert Merkel

Kaum regiert die FDP nicht mehr mit der konservativen CDU, entdeckt sie ihre liberalen Werte wieder – auch im Zusammenhang mit der rechtlichen Gleichstellung von Lesben und Schwulen. In einem Interview mit dem Magazin „Stern“ spricht nun der ehemalige Parteichef und Außenminister Guido Westerwelle über ausführlich über seine Homosexualität und sein ehemaliges Amt.

So weist er Vorwürfe zurück, dass er in seiner Zeit als Außenminister nicht laut genug auf die Diskriminierung von Lesben und Schwulen in arabischen, afrikanischen und osteuropäischen Ländern hingewiesen habe. „Ich war zunächst Außenminister und erst in zweiter Linie ein schwuler Außenminister“, erklärt Westerwelle dem „Stern“ sein Amtsverständnis. Wo es nötig war, habe er die DIskriminierung gleichgeschlechtlich liebender Menschen thematisiert. Auch in Saudi-Arabien, wo Homosexuellen die Todesstrafe droht, habe er ausführlich über Bürgerrechte und innere Liberalität gesprochen, betont Westerwelle – „in angemessener und diplomatischer Weise, wie es bei Kontroversen international üblich ist“.

Im Gegensatz zu Joachim Gauck würde Westerwelle, wenn er noch Außenminister wäre, zur Eröffnung der Olympischen Spiele fahren – „und zwar nicht allein“: Der 52-Jährige lebt seit 2010 in einer Eingetragenen Partnerschaft mit Michael Mronz.

Von der Großen Koalition von CDU und SPD erwartet er etwas, dass in seiner Amtszeit nicht gelungen ist: „Mir wäre es lieber, wenn das, was in unserer Regierungszeit so gut vorangekommen ist, jetzt auch vollendet würde, nämlich die völlige rechtliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften mit der Ehe“. Bis jetzt sei die Gleichstellung an der Kanzlerin persönlich gescheitert. „Aber nun hat sie es in der Hand“, so Westerwelle.

Dass sich die SPD nun stärker für die Gleichstellung einsetzt, glaubt Westerwelle nicht: „Die SPD war doch meist nicht besser. Wenn es um Spießigkeit geht, gab es in Deutschland von jeher eine wirklich ganz große Koalition“, so der ehemalige FDP-Chef im „Stern“-Interview.

Denn Deutschland sei noch immer keine ausreichend aufgeklärte Gesellschaft, wenn es um die Akzeptanz von Homosexualität geht, so Westerwelle weiter. Das wird sich seiner Meinung nach aber bald ändern: „Ich sage Ihnen: Bevor ich den Löffel abgebe, ist Schwulsein eine Selbstverständlichkeit.“