Ägypten: Acht Männer wegen ‚Homo-Hochzeit‘ vor Gericht

In Ägypten werden heute acht Männer vor Gericht gestellt, weil sie in einem Video über eine „Homo-Hochzeit“ auftauchen. Die Männer behaupten, sie seien nicht homosexuell und hätten lediglich einen Scherz gemacht.

Bereits vor einigen Wochen wurden sieben der acht Männer festgenommen. Einige Tage später konnten die Behörden auch den achten Mann festnehmen. Berichten zufolge wurden sie auf ihre Homosexualität „getestet“, was in der Regel eine Rektaluntersuchung bedeutet. Diese ist – so sind sich alle seriösen Mediziner einig – ungeeignet, die sexuelle Orientierung eines Mannes herauszufinden. Diese Untersuchung haben alle Beschuldigten „bestanden“.

Nun hat ein Sprecher der Staatsanwaltschaft bestätigt, dass die Beschuldigten sich wegen Ausschweifungen und dem Verletzen öffentlicher Moral vor einem Verwaltungsgericht verantworten müssen. Die Verhandlung soll bereits heute stattfinden.

Einer der Beschuldigten hat im ägyptischen Fernsehen erklärt, das Video sei ein Scherz für den Geburtstag eines Freundes gewesen. Sie wären hetero und das Video zeige keine Männer-Hochzeit, betonte der Mann. Insgesamt sind in dem Video sechzehn Männer zu sehen, die beiden Männer in der Mitte küssen sich, tauschen Ringe aus und schneiden einen Kuchen an.

Der Prozess ist ein weiteres Indiz dafür, dass die ägyptischen Sicherheitskräfte derzeit scharf gegen Lesben und Schwule vorgehen. In der Vergangenheit war bereits darüber berichtet worden, dass sich die Polizei mit Hilfe von Dating-Apps wie Grindr auf die Suche nach schwulen Männern macht, um sie zu verhaften.

Homosexualität ist in Ägypten eigentlich nicht illegal. Ein Paragraph, der sexuelle Ausschweifungen bestraft, wird aber regelmäßig gegen Homosexuelle angewandt.

Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) hat Ägypten aufgerufen, die Männer sofort freizulassen und die Berichte über die „Homo-Tests“ verurteilt. Diese würden, so HRW, „internationale Standards gegen Folter verletzen“.