Nach Homo-Razzia: Schweizer Filmfestival distanziert sich von ägyptischer Journalistin

Die Veranstalter eines Schweizer Filmfestivals haben die ägyptische Fernsehjournalistin Mona Iraqi wieder ausgeladen, weil diese maßgeblich an einer Razzia gegen schwule Männer in einem ägyptischen Badehaus beteiligt war.

Die Organisatoren des internationalen Kurzfilm-Festivals „shnit“ in Bern haben den Vertrag mit Iraqi aufgelöst, berichtet die ägyptische Zeitung „Al-Ahram“. Sie war für das Festival als Projektleiterin in Kairo. Damit geben sie dem internationalen Druck nach, der von anderen Journalisten und Menschenrechts-Aktivisten ausgeübt wurde.

Grund dafür ist die Rolle, die Mona Iraqi am 7. Dezember bei einer Razzia in einem Kairoer Hamam spielt, in dem sich schwule Männer treffen. Sie war nämlich während einer Polizeirazzia als einzige Journalistin live dabei, um – im Sinne der Machthaber – darüber zu berichten.

Bis zu 40 Männer wurden bei der Razzia festgenommen und, teils noch unbekleidet, an die Öffentlichkeit gezerrt. Sie müssen sich nun vor einem ägyptischen Gericht verantworten. Ihr Prozess soll am 4. Jänner beginnen. Ihnen drohen wegen unmoralischen Verhaltens jahrelange Haftstrafen.

Sie selbst gab nachher an, nur über Menschenhandel, Zwangsprostitution und die Ausbreitung von HIV berichten zu wollen. Auf Facebook las sich das aber anders. Noch während der Razzia kündigte sich an über einen „Platz für Perversionen zwischen Männer“ zu berichten und diese „in flagranti während dem Akt zu erwischen“. „Mein Gott, das Resultat ist wunderschön“, freute sie sich über die exklusiven Aufnahmen.

Das war offenbar auch den Veranstaltern in der Schweiz zuviel. In einer Erklärung heißt es, „shnit“ distanziere sich „und verurteilt – professionell und ethisch – jene Methoden, die Mona Iraqi während der Geschehnisse am 7. Dezember als Fernsehreporterin in Kairo angewandt hat“. Die Schweizer Lesben- und Schwulenorganisation „Pink Cross“ und andere LGBT-Verbände begrüßten diesen Schritt.