Neuer weltweiter Thinktank für LGBT-Juden gründet sich in Salzburg

In Salzburg beginnt heute ein wichtiges Treffen der jüdischen Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender: Bis 13. August wollen sie das weltweite Netzwerk „Eighteen:22“ aufbauen – einen Thinktank aus Aktivisten und Unterstützern, der sich mit unterschiedlichen Formen der Diskriminierung sexueller Minderheiten im jüdischen Alltag beschäftigt.

Der Name „Eighteen:22“ bezieht sich auf die entsprechende Stelle im dritten Buch Mose (Levitikus). Im 18. Kapitel heißt es in Vers 22: „Du darfst nicht mit einem Mann schlafen, wie man mit einer Frau schläft, das wäre ein Gräuel.“ Diese Passage wird seit Jahrhunderten zur Diskriminierung schwuler Männer verwendet – zuletzt vom römisch-katholischen Bischof von Chur, Vitus Huonder.

„Es gibt heute Homosexuellen-Rechte und Gesetze, die vor ein paar Jahren noch völlig undenkbar waren. Wir haben Schritte erlebt, die zu mehr Akzeptanz in den verschiedensten Ecken traditioneller Regeln und des jüdischen Lebens geführt haben. Und doch wissen wir nur zu gut, dass globale Aufmerksamkeit nicht zwingend Fortschritt garantiert und manchmal zum genauen Gegenteil führt“, erklärt Robert J. Saferstein, der Gründer der Organisation.

Der Aufbau eines solchen Netzwerks sei wichtig, „um voneinander zu lernen, um auf die neuen Herausforderungen zu reagieren und die notwendige Schritte zu diskutieren, um positive Veränderungen voranzutreiben“. Bei der Wahl der Teilnehmer an diesem Gründungstreffen ist Saferstein sehr selektiv: Erwartet werden 60 bis 70 Aktivisten, zugelassen sind nur Einzelpersonen im Alter von 22 bis 40 Jahren. Sie müssen entweder jüdischen Glaubens sein, oder sich intensiv mit der Diskriminierung von LGBT-Personen im jüdischen Leben auseinandergesetzt haben.

Salzburg habe man unter anderem deshalb als Veranstaltungsort gewählt, weil das Schloss Leopoldskron einst dem jüdischen Mitbegründer der Salzburger Festspiele, Max Reinhardt, gehörte und es nach dem Zweiten Weltkrieg in ein Konferenzzentrum umfunktioniert wurde, dass gezielt die Völkerverständigung und Toleranz fördern soll.

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