Start Politik International IS-Propaganda: Familien der „Pulse“-Opfer verklagen Facebook und Co.

IS-Propaganda: Familien der „Pulse“-Opfer verklagen Facebook und Co.

Weil die Sozialen Netzwerke nicht auf ihre Inhalte geachtet hatten, konnte sich der Täter radikalisieren

Vor dem
Polizei Orlando

Die Familien von drei Opfern des Massakers im „Pulse“-Nachtclub in Orlando haben jetzt Facebook, Twitter und Google verklagt. Sie machen die Internet-Giganten mitverantwortlich für die Radikalisierung des Täters Omar Mateen – und damit auch für den von ihm verübten Anschlag.

Konnte sich der Täter radikalisieren, weil Soziale Netzwerke geschlampt haben?

Wie Auswertungen der Notrufe zeigen, hat sich Mateen während seines Anschlags am 12. Juni zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) bekannt. An diesem Abend tötete er 49 Gäste des „Pulse“, bevor er von Einsatzkärften erschossen wurde. Auswertungen seines Computers durch das FBI zeigen außerdem, dass er IS-Propaganda konsumiert hatte, wie beispielsweise Enthauptungen.

Nun haben die Familien von drei Opfern des Anschlags von Orlando Klage gegen Facebook, Twitter und Google eingereicht. Diese hätten die Verbreitung der IS-Propaganda nicht unterbunden, so die Klageschrift. Die Terrormiliz hat ein weltweites Propagandanetzwerk aufgebaut. Dazu bedient sie sich unzähliger Accounts auf Plattformen wie Twitter, Facebook oder YouTube, das zu Google gehört.

Diese haben es nicht geschafft, dem gesamten Problem Herr zu werden, so die Angehörigen von Tevin Crosby, Javier Jorge-Reyes und Juan Ramon Guerrero, die beim Anschlag auf das „Pulse“ ums Leben kamen. Und dadurch hätten sie auch eine Mitschuld an der Radikalisierung von Omar Mateen und dem Attentat, das er verübt habe.

Bis jetzt konnte Facebook für radikale Postings nicht zur Verantwortung gezogen werden

„Ohne die Beschuldigten Twitter, Facebook und Google (YouTube) wäre das explosive Wachstum des IS über die letzten Jahre zu einer der am meisten gefürchteten Terrorgruppen der Welt nicht möglich gewesen“, heißt es in der Klage. Juan Guerrero, dessen Sohn am 12. Juli starb, sagte: „Ich würde mir wünschen, dass wir einige Beschränkungen erreichen können. Sie müssen etwas machen, um diese Leute davon abzuhalten, solche Dinge zu tun.“

Der Fall ist juristisch heikel – denn nach US-Recht sind die Internet-Giganten für die Inhalte bisher nicht verantwortlich. Facebook, Twitter und Google haben zum Prozess bis jetzt noch nicht Stellung genommen.