Kämpferin gegen Ehe-Öffnung nun ÖVP-Menschenrechtssprecherin

Für Gudrun Kugler führt die Ehe-Öffnung zu "Geschwisterehe" und "Intoleranz gegenüber Christen"

Gudrun Kugler
privat

Als Aktivistin kämpfte Gudrun Kugler jahrelang und erbittert gegen gleiche Rechte für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender. Jetzt wird die römisch-katholische Hardlinerin Bereichssprecherin für Menschenrechte im Parlamentsklub der „neuen“ Volkspartei.

Bevor sie im Jahr 2015 für die ÖVP in den Wiener Gemeinderat und dann in den Nationalrat einzog, war sie eine der bekanntesten „christlichen Aktivisten“ Österreichs. So hat Gudrun Kugler unter anderem die „Beobachtungsstelle für Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa“ gegründet.

Christliche Standesbeamte sollen Eingetragene Partnerschaften ablehnen können, verlangt Kugler

Zu „Intoleranz gegen Christen“ habe unter anderem auch die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geführt, schrieb sie 2015 in einem Artikel für die Zeitschrift des Mittelschüler-Kartellverbandes (MKV). Dort meinte sie auch, die Öffnung der Ehe führe unter anderem zur Geschwisterehe. „Die Homoehe führt unweigerlich zu schrittweisen Erweiterungen wie Polygamie (bereits ernsthaft diskutiert) oder eine Ehe für beste Freundinnen oder unter Geschwistern“, so die radikal-kathoische Aktivistin damals.

Weiters hat sich Gudrun Kugler dafür eingesetzt, dass christliche Standesbeamte die Schließung einer Eingetragenen Partnerschaft aus Glaubensgründen ablehnen dürfen. „Eine Gewissensklausel wie zum Beispiel bei der Abtreibung“ wäre eine praktikable Lösung, sagte sie im Jahr 2015 der Tageszeitung Der Standard.

Für die Liste Pilz ist die Ernennung von Gudrun Kugler ein „weiterer alarmierender Schritt nach rechts“

Für die Frauensprecherin der Liste Pilz, Maria Stern, ist ihre Ernennung „ein weiterer alarmierender Schritt nach rechts“. Durch Kuglers Haltung zur Abtreibung, „deren radikale Gegnerin sie ist, droht Österreich in die Nähe der Visegrád-Staaten zu rücken, statt die fortschrittlichen und menschenrechtsbasierten Werte Westeuropas zu stärken“, befürchtet Stern.

Kugler ist nach der Wahl am 15. Oktober 2017 erstmals in den Nationalrat eingezogen. Sie erzielte im eher nicht ÖVP-affinen Wahlkreis Wien-Nord (Donaustadt und Floridsdorf) ein Grundmandat und bekam auch 2040 Vorzugsstimmen. Den Vorwurf, radikal oder frauenfeindlich zu sein, wies sie stets zurück. Die Kritik an ihrer Person versteht die vierfache Mutter Medienberichten zufolge nicht.