St. Petersburg: LGBT-Demonstranten festgenommen

Polizei suchte gezielt nach Community-Aktivisten

Regenbogenflagge
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Auch dieses Jahr hat die Polizei in St. Petersburg LGBT-Demonstranten festgenommen, die sich an einer Kundgebung von oppositionellen Gruppen zum 1. Mai beteiligt haben. Das berichtet das Online-Portal queer.de.

Demnach wurden aus dem etwa 100 Personen starken inoffiziellen Block von LGBT-Demonstranten immer wieder mehrfach einzelne Teilnehmer herausgegriffen. Ein Großteil der Demonstranten im LGBT-Bereich der oppositionellen Mai-Demonstration in St. Petersburg konnte die Kundgebung aber ungestört beenden.

Die Polizei wollte den Aktivisten ihre Regenbogenflaggen wegnehmen

Einer der Festgenommenen war Igor Koschetkow, Sprecher des russischen LGBT-Network, das zuletzt durch seine Hilfe für geflüchtete Lesben und Schwule aus Tschetschenien in den Schlagzeilen war. Auf Facebook schrieb er, dass die Aktivisten „illegal auf dem Newski-Prospekt festgenommen“ wurden und die Polizei versuchte, ihnen die Regenbogenflaggen wegzunehmen. Sie wurden in Polizeibusse gezerrt und dann zu nahegelegenen Wachen gefahren. Am Nachmittag wurden alle Inhaftierten wieder freigelassen.

Der „Regenbogen-Block“ hat sich in den letzten Jahren bei der oppositionellen 1.-Mai-Demonstration in St. Petersburg entwickelt. Im Jahr 2015 dürften mehr als 600 Menschen in diesem Teil der Kundgebung mitmarschiert sein. Der traditionelle Marsch von Gewerkschaften, Oppositionsparteien und sozialen Bewegungen bietet sexuellen Minderheiten eine niedrigschwellige und rechtlich gedeckte Möglichkeit, sich zu beteiligen.

Angst vor Repressalien gegenüber LGBT auch bei anderen Gruppen groß

Allerdings hatten die Behörden in den letzten Jahren einen eigenen LGBT-Block nicht mehr erlaubt – und der Druck seitens des Staates und der Öffentlichkeit zeigt auch bei anderen Organisationen Wirkung. Wie die Organisation „Straights for Equality“ berichtet, sollen sich alle angemeldeten Gruppen geweigert haben, sexuelle Minderheiten in ihre Reihen aufzunehmen. „Kommt, aber ohne eure Symbole“, soll es geheißen haben.

Es war nicht das erste Mal, dass LGBT-Aktivistinnen und Aktivisten in St. Petersburg bei den Demonstrationen zum 1. Mai festgenommen wurden. Letztes Jahr verhaftete die Polizei etwa 43 Personen, die für die Rechte sexueller Minderheiten und gegen die Verfolgung schwuler Männer in der russischen Kaukasusrepublik Tschetschenien demonstrieren wollten. Sie wurden teilweise über Nacht festgehalten. Auch im Jahr zuvor hatte die Polizei in St. Petersburg und Moskau gezielt LGBT-Aktivisten aus den Demonstrationen zum 1. Mai herausgezogen und vorübergehend festgenommen.