Siegerlied geklaut? Israel zittert um Song Contest

Einer der Komponisten fliegt nach Los Angeles, um den Streit zu klären

Netta
EBU/Andres Putting

Unerwarteten Gegenwind gibt es für die diesjährigen Gewinner des Song Contests: Die Musikfirma Universal wirft den Komponisten vor, sich für den Gewinnersong „Toy“ bei einem anderen Lied bedient zu haben. Das berichten israelische Medien. Im schlimmsten Fall droht Israel die Aberkennung des Titels.

Der Rhythmus von Netta Barzilais „Toy“ gleicht dem von „Seven Nation Army“ von den White Stripes

Konkret wirft die Universal Music Group den beiden Komponisten Doron Medalie und Stav Beger vor, sich beim Rhythmus von Netta Barzilais „Toy“ beim 2003 veröffentlichten Hit „Seven Nation Army“ von den White Stripes bedient zu haben.

Ein entsprechender Brief der Plattenfirma sei vor zwei Wochen bei den beiden eingegangen, bestätigten die Komponisten. Medaile werde am Mittwoch nach Los Angeles fliegen, um eine Lösung in dem Streit zu finden, schreibt die israelische Nachrichtenseite „Ynet“.

Es gibt keine Plagiats-Klage gegen die Komponisten, versucht Nettas Manager zu beruhigen

Nettas Manager bemüht sich in Schadensbegrenzung. „Es wurde kein Rechtsanspruch erhoben, es kam nur ein Brief zur vorläufigen Klarstellung in Bezug auf dieses Thema“, sagte er israelischen Medien. Auch gehe es nicht um Text oder Melodie, betonte er.

Die Angelegenheit ist heikel: Denn für Netta, die Komponisten und Israel geht es um nicht weniger als die Austragung des Eurovision Song Contest 2019. Denn die teilnehmenden Lieder müssen alle neu komponierte Originale sein. Sollten Teile von „Toy“ wirklich abgekupfert sein, könnte „Toy“ nachträglich disqualifiziert werden, fürchtet die israelische Tageszeitung „Ha’aretz“.

Im schlimmsten Fall könnte Israel der Sieg aberkannt werden – und der Bewerb nach Zypern gehen

Dann könnte der Zweitplatzierte des diesjährigen Bewerbs zum Sieger aufrücken und das Recht bekommen, den Song Contest zu veranstalten. Das wäre in diesem Fall Zypern, dessen Interpretin Eleni Foureira mit „Fuego“ hinter Netta gelandet ist.

Allerdings ist das nicht die einzige Kontroverse, die es in Verbindung mit dem nächstjährigen Eurovision Song Contest gibt: Ministerpräsident Benjamin Netanjahu möchte den Bewerb in Jerusalem stattfinden lassen, die EBU aber jede politische Instrumentalisierung des Song Contests vermeiden.

Ob es hierbei eine Einigung geben kann, scheint unklar. Neben Jerusalem kommen laut Medienberichten auch Tel Aviv, Haifa und Eilat als Austragungsort in Frage.

Für den Song Contest änderte die Regierung sogar das Rundfunkgesetz

Zuletzt hat die israelische Regierung extra für den Song Contest das Mediengesetz geändert: Denn veranstaltet wird der Song Contest immer von der Rundfunkanstalt des Siegerlandes. Ursprünglich wollte die Regierung aber den Aktuellen Dienst aus der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Kan ausgliedern.

Da ihr dann aber möglichweise die Mitgliedschaft in der EBU entzogen worden wäre, ließ die Regierung vorübergehend von diesen Plänen ab.