Massive Ausschreitungen bei LGBT-Parade in Polen

Erster "Gleichheitsmarsch" in Lublin wurde von rechtsextremen Gegendemonstranten überschattet

Gleichheitsmarsch in Lublin
queer.pl/Twitter

Massive Ausschreitungen gab es am Wochenende während der ersten Pride-Parade im polnischen Lublin. Die Polizei musste die Teilnehmer der Gleichheitsparade mit Tränengas und Wasserwerfern vor Rechtsextremen schützen.

Der Bürgermeister wollte die Parade zunächst verbieten

Lublin ist eine 340.000-Einwohner-Stadt im Osten von Polen. Am Samstag demonstrierten rund 2.000 Vertreter sexueller Minderheiten und ihre Verbündeten für mehr Akzeptanz in der Bevölkerung – doch das gefiel offenbar nicht jedem. So hat der Lubliner Stadtpräsident Krzysztof Zuk vier Tage vor dem Event die Veranstaltung untersagt. Die offizielle Begründung: Angst vor Unruhen im Umfeld einer rechtsnationalen Gegenveranstaltung.

Einen Tag später wurde das Verbot dann auch vom Bezirksgericht untersagt. Doch das Lubliner Bezirksgericht kassierte Verbot und Bestätigung nur einen Tag vor der Gleichheitsparade.

Die Polizei hatte die rechtsextremen Gegendemonstranten weitgehend im Griff

Zu den befürchteten Ausschreitungen von Gegendemonstranten kam es dann auch: Etwa 200 rechte Gegendemonstranten, Parteianhänger des Nationalradikalen Lagers (ONR) und der Allpolnischen Jugend (MW),  versuchten, die Strecke des „Lubin Pride“ zu blockieren und Rauchbomben gegen die Teilnehmer der Parade zu werfen.

Doch die Polizei war gut darauf vorbereitet, war mit hunderten Beamten vor Ort. Sie wehrten sich mit Wasserwerfern gegen die Angriffe von rechts, die Gegendemonstranten antworteten mit Feuerwerksraketen. Nach Angaben der Polizei wurden während des Einsatzes mehrere Störer der Parade verhaftet.

Die von der Polizei gut geschützten Teilnehmer der Gleichheitsparade demonstrierten unterdessen mit ihren farbenfrohen Flaggen und Plakaten. Vereinzelt konnten Gegendemonstranten trotzdem zum Demonstrationszug vordringen, zertraten Luftballons oder warfen Feuerwerksköper. So wurde auch eine von dutzenden Menschen gehaltene große Regenbogenflagge beschädigt. Auch Tomaten und Steine wurden geworfen.

Acht Polizisten wurden leicht verletzt, 21 Gegendemonstranten festgenommen

Die Stimmung war aber trotz der gewaltbereiten Gegendemonstranten gut, berichtet das polnische LGBT-Portal queer.pl. Die Organisatoren riefen die Teilnehmer aber auf, den offiziellen Kordon aus Sicherheitsgründen nicht zu verlassen.

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„Es gibt acht leicht verletzte Polizisten und 21 verhaftete Gegendemonstranten. Davon werden sich 16 vor Gericht verantworten müssen, die anderen kommen mit Verwarnungen und Geldstrafen davon“, bilanzierte eine Sprecherin der Polizei den Einsatz.

Homosexualität ist in Polen noch immer ein Tabuthema. Rechtsgerichtete Parteien wie die regierende „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) kämpfen mit der römisch-katholischen Kirche noch immer gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare.