Unsere Community: Kein Herz für Drag Queens?

Gelten in der Szene Männer im Fummel nicht als Männer?

Sujetbild: Drag Queen
Sujetbild - Adobe Stock

Wien – es ist ein Freitag, an dem zufällig auch die Rosa Wiesn stattfindet. Ich, ein schwuler Mann, ziehe an dem Tag ein schönes rosa Dirndl an – es heißt ja auch Rosa Wiesn. An dem gleichen Abend findet ein Clubbing statt, das ich schon oft besucht habe – in High Heels, mit Make-up, in Sportsgear, in schwarz, pink.

Bei der Men-Only-Veranstaltung waren keine Drag Queens erwünscht

Mich hat man dort schon in vielen verschiedenen Facetten gesehen – das war auch der Grund, warum ich an diesem einen Freitag die Entscheidung getroffen habe, nach der Rosa Wiesn dort hin zu fahren.Zusammen mit einem Freund – auch in Dirndl – haben wir uns schon auf das Clubbing gefreut – doch wurde uns diese Freude ziemlich bald genommen.

Bei der Kasse grüßte man mich freundlich und wollte mich auch schon kassieren, als der Veranstalter dazukam – auch er grüßte mich freundlich. Doch dann sagte er mir was, was ich in den vier Jahren, in denen ich, mal mehr mal weniger im Jahr, als Candy Licious herumlaufe, noch nie gehört habe: „Sorry du darfst nicht rein – wir sind eine Men-Only-Veranstaltung und die Gäste wären irritiert, wenn du mit Perücke und Make-up dort bist. Unsere Gäste wollen ‚richtige‘ Männer“.

Grenzt unsere Community hier einen Teil von ihr aus?

Ich konnte es im ersten Augenblick gar nicht fassen, dass ich auf meine Kleidung und mein Auftreten herabgestuft und als „Nicht-Mann“ kategorisiert wurde.Seit dem Vorfall frage ich mich: Wie offen ist „unsere“ Community wirklich? Bin ich weniger ein Mann, wenn ich an Samstagen zu dick Make-Up auftrage? Ist „Men-Only“ gleichzeitig ein Dresscode, der vorschreibt, dass wir unseren Penis beim Eintreten in das Lokal draußen tragen müssen? Fangen wir jetzt an, „uns“ selbst auszuschließen? Und das in einer Zeit, in der wir alle zusammenhalten sollten, da es eindeutige politische und gesellschaftliche Spaltungen gibt.

Ich würde mir die Frage jetzt nicht stellen, wenn der Dresscode der Veranstaltung „Leder“ gewesen wäre – da hätte ich mit dem rosa Dirndl wirklich nicht reingepasst. Aber „Men-Only“ darf kein Dresscode sein, der Männer ausschließt, die eben beim Make-up ein bissl mehr auftragen. Grenzt nicht aus – öffnet die Augen und die Türen!


Bernhard Ledinski ist Mitglied des Vorstands im Rechtskomitee Lambda, engagiert sich in der HIV-Prävention und ist immer wieder als Drag Queen Candy Licious unterwegs.