Rauchverbot: Wiener Freiheit sperrt zu

Angst vor Strafen zwingt die Betreiber der Gay-Disco im Zentrum der Szene zum Handeln

Wiener Freiheit
Wiener Freiheit

Seit 1995 ist die “Wiener Freiheit” in der Schönbrunner Straße eine Institution in der Wiener Szene – doch nun schließt das Gay-Disco-Urgestein Pforten, berichtet der Standard. Grund dafür ist das Rauchverbot in der Gastronomie, das ab 1. November in ganz Österreich gilt.

Die Disco steht nur mehr für private Parties zur Verfügung

„Ab November 2019 wird die Disco als Folge des Rauchverbots in der Gastronomie geschlossen und steht nur noch für private Partys zur Verfügung“, heißt es auf der Website der Wiener Freiheit. Denn guten Abenden sollen bis zu 120 Gäste in der Wiener Freiheit gefeiert haben, die meisten davon Raucher.

Würden diese auf der Straße rauchen, würde es Anrainerbeschwerden geben, befürchtet Alexander Gschaider-Heitmann vom Verein für freie Lebensgestaltung, der die Disco betreibt. “Diese Kombination des Rauchverbots und dann die Haftung für das, was auf der Straße passiert, das ist eine tödliche Mixtur für mich”, seufzt er.

Das Rauchverbot gilt in allen Räumen, in denen Speisen oder Getränke hergestellt, verarbeitet, verabreicht oder eingenommen werden. Weiterhin geraucht werden darf lediglich auf Freiflächen, wie in Gastgärten oder auf offenen Terrassen. Wird das Verbot missachtet, zahlt der Wirt mindestens 800 Euro Strafe.

Die möglichen Strafen würden die Existenz der Wiener Freiheit gefährden

Anders als in Innsbruck, wo zunächst nur ermahnt wird, hat die in Wien zuständige SPÖ-Stadträtin Ulli Sima schon angekündigt, dass es “keine Schonfrist” geben werde. Zusätzlich ist der Wirt aber auch für die Raucher vorm Lokal verantwortlich. Häufen sich hier Anrainerbeschwerden, droht sogar ein Verlust der Konzession.

Diesen Strafen sei man in der Wiener Freiheit nicht gewachsen, so der Chef, auch wenn sich bisher finanziell “alles wunderbar ausgegangen” sei. Bereits die zweite Strafe würde dem Verein “das Genick brechen”, erklärt Gschaider-Heitmann, der den Verein leitet und für ihn haftet. Acht Mitarbeiter, darunter eine Teilzeitkraft und sieben geringfügig angestellte Kräfte, habe die Wiener Freiheit bereits abgemeldet.

„Wir haben einfach nicht den Mut, zu warten, bis wir mit Anzeigen überhäuft werden“

„Wir haben einfach nicht den Mut, zu warten, bis wir mit Anzeigen überhäuft werden und der Betrieb durch Strafen demontiert wird“, erklärt Gschaider-Heitmann dem Standard. Deshalb werde man die Disco schließen, schon zu Halloween werden die Räumlichkeiten nicht mehr offen haben.

Weiterhin an den Wochenenden geöffnet wird hingegen die Bar im oberen Bereich des Lokals haben. Ein “Miniraum”, so Gschaider-Heitmann, “da sieht der Kellner sofort, wenn jemand rauchen würde. Unten in der Disco bräuchte ich fünf Leute, um das zu kontrollieren.”