Argentinischer Bischof soll zwei Priesterseminaristen sexuell missbrauch haben

Der enge Freund von Papst Franziskus soll sich in den Vatikan abgesetzt haben

Petersdom
martieda/Pixabay - C00

Weil er zwei Priesterseminaristen sexuell missbraucht haben soll, möchte die zuständige Staatsanwaltschaft in Argentinien einen internationalen Haftbefehl gegen den früheren Bischof von Oran, Gustavo Oscar Zanchetta, erlassen. Denn der Geistliche sei „derzeit nicht auffindbar“, berichtet die Tageszeitung Pagina 12.

Zanchetta soll Förderungen zur Renovierung eines Pfarrhauses unterschlagen haben

Zanchetta wurde 2013 von Papst Franziskus zum Bischof von Oran, einer Diözese im Norden Argentiniens, ernannt. Doch seitdem dürfte der 55-Jährige sich immer nicht dem Amt gemäß verhalten haben, wie das Interesse der Justiz an dem hohen Geistlichen zeigt.

So wird Zanchetta unter anderem die Unterschlagung von umgerechnet etwa 225.000 Euro vorgeworfen: Er soll Geld der Provinzregierung für die Restaurierung eines Pfarrhauses und eine Vortragsreihe im örtlichen Priesterseminar veruntreut haben. Erst vor zwei Wochen wurden deshalb die Büros der Diözese von der Polizei durchsucht.

Zwei Priesterseminaristen werfen dem Ex-Bischof vor, sie wiederholt sexuell missbraucht zu haben

Inzwischen sieht er sich auch mit dem Vorwurf konfrontiert, zwei Priesterseminaristen wiederholt sexuell missbraucht zu haben, so die für Sexualstraftaten zuständige Staatsanwaltschaft von Salta. Auch andere Priesteranwärter werfen dem Bischof der Zeitung zufolge übergriffiges Verhalten vor.

Die Staatsanwaltschaft möchte deshalb einen internationalen Haftbefehl gegen Zanchetta erlassen. Dieser habe während der Ermittlungen weder auf Telefonanrufe noch auf E-Mails reagiert und sei derzeit nicht auffindbar, so die Staatsanwaltschaft.

Ein Richter erlaubte Zanchetta, das Land zu verlassen – obwohl die Staatsanwältin dagegen war

Ein Richter hatte dem 55-Jährigen die Erlaubnis erteilt, das Land zu verlassen. Die Behörde betonte gegenüber der Zeitung, dass Staatsanwältin Maria Soledad Filtrin Cuezzo sich deutlich gegen diese Maßnahme ausgesprochen habe.

Zanchetta selbst hatte Papst Franziskus im Jahr 2017 seinen Rücktritt als Bischof angeboten – offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Dieser wurde vom Vatikan auch angenommen. Einige Zeit später holte ihn Papst Franziskus, der als Erzbischof in Argentinien eng mit dem 55-Jährigen befreundet war, nach Rom auf eine Stelle der vatikanischen Vermögensverwaltung.

Dem US-Nachrichtenportal Crux zufolge ist Zanchetta derzeit seiner Aufgaben enthoben, im Vatikan läuft seit Anfang 2019 ein Verfahren gegen ihn. Mit einer Entscheidung will die zuständige Glaubenskongregation allerdings warten, bis die Ergebnisse der Staatsanwaltschaft in Argentinien vorliegen – die ihre Ermittlungen ohne den Beschuldigten aber nicht abschließen kann.