Studenten sexuell belästigt? Cello-Professor fliegt auch von Staatsoper

Nachdem er seine Kündigung an der Musik-Uni zunächst erfolglos bekämpft hat

Wiener Staatsoper
NunoSimoes/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

Im April 2018 flog ein Cello-Professor fristlos von der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (mdw), weil mehrere männliche Studenten sexuell belästigt oder missbraucht haben soll. Nun hat auch die Staatsoper die Konsequenzen gezogen und den Mann ebenfalls fristlos entlassen – nachdem dieser sich eigentlich gegen den ersten Rauswurf wehren wollte.

Der Cello-Professor lud Studenten zu sich ein, zog sich aus und forderte Sex

Der Cellist, der neben seiner Professoren-Tätigkeit auch in der Staatsoper und damit bei den Philharmonikern gespielt hat, soll unter anderem Studenten in seine Wohnung eingeladen, sich dort ausgezogen und Sex gefordert haben. Nach den Übergriffen soll er die Opfer massiv unter Druck gesetzt haben. Zuletzt tauchte er sogar bei Prüfungen und Vorlesungen auf, was die mutmaßlichen Opfer in Angst versetzte. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Im April 2018 wandten sich schließlich mehrere Studenten an Ulrike Sych, Direktorin der mdw, und berichteten glaubhaft von diesen Übergriffen. Sie zog sofort Konsequenzen und entließ den Cello-Professor fristlos. Gegen diese fristlose Kündigung klagte der 53-Jährige vor dem Arbeits- und Sozialgericht, nachdem es im Oktober 2018 zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen Vergleich gab.

In der Verhandlung redet sich der Cellist auf den Staatsopern-Direktor aus – der reagiert empört

Am Dienstag fand nun die Verhandlung statt. Auf die Frage der Richterin, warum der Cellist nach 16 Monaten die Verhandlung fortsetzen wollte, erklärte dieser: „Staatsopern-Direktor Dominique Meyer hat mich ersucht, das Verfahren so lange nicht fortzusetzen, bis seine Funktionsperiode abgeschlossen ist.“

Meyer beendet mit 1. März seine Tätigkeit an der Staatsoper und wechselt an die Mailänder Scala. Doch der Noch-Staatsoperndirektor dementiert diese Behauptung des Musikers auf Nachfrage der Tageszeitung Heute und bezeichnet sie als „unfassbar“. „Sie entbehrt jeglicher Grundlage und ich werde diesbezüglich rechtliche Schritte prüfen lasse“, so Meyer.

Die Richterin wies den Antrag auf Fortsetzung des Verfahrens ab. Grund dafür war die lange Zeitspanne, die vergangen war.  Die fristlose Entlassung ist damit aufrecht. Wenn der Cellist gegen die Entscheidung beruft, dauert es etwa ein Jahr, bis es in dieser Causa ein rechtskräftiges Urteil gibt.

Nun ist der Musiker auch aus der Staatsoper und den Philharmonikern gefolgen

Mittlerweile hat die Causa für den Cellisten auch Auswirkungen auf seine Karriere bei der Staatsoper und den Philharmonikern. Wie der Kurier berichtet, wurde er am Mittwoch auch von der Wiener Staatsoper fristlos entlassen. Auch gegen diese Kündigung wolle er gerichtlich vorgehen, soll der Cellist gegenüber ehemaligen Kollegen angekündigt haben.

Mit der Entlassung aus dem Staatsopernorchester ist der 53-Jährige auch kein Mitglied der Philharmoniker mehr. „Die Vereinsstatuten der Wiener Philharmoniker ziehen nach der Entlassung aus der Wiener Staatsoper auch das Ausscheiden aus dem Verein der Wiener Philharmoniker nach sich“, so Philharmoniker-Vorstand Daniel Froschauer.