Fast ein Fünftel weniger LGBTI-Hassverbrechen in Berlin

Weniger Delikte durch Corona-Lockdown - doch immer noch zu viele

Polizei Berlin
Symbolbild

In Berlin ist die Zahl der Taten gegen sexuelle Minderheiten in den ersten zehn Monaten des Jahres um fast ein Fünftel zurückgegangen. Das berichtet die Berliner Polizei heute, Montag. Einer der Gründe für den Rückgang dürfte die geringere Mobilität aufgrund der Coronakrise sein.

Deutlich weniger Delikte gegen sexuelle Minderheiten – auch wegen des Lockdowns

So hat der Kriminalpolizeiliche Meldedienst Berlin in den ersten zehn Monaten des Jahres um etwa 18 Prozent weniger Fälle von Hasskriminalität gegen sexuelle Minderheiten erfasst als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Diese Daten sind vorläufig – endgültige Zahlen liegen erst am 31. Jänner 2021 vor, wenn die entsprechenden Statistiken bundesweit geschlossen werden. Allerdings ist die Kriminalität aufgrund der Ausgangsbeschränkungen in vielen Bereichen zurückgegangen.

Die Hotspots der LGBTI-feindlichen Verbrechen lagen – wie in den Vorjahren – überwiegend in den Bezirken Mitte, wo kurzem mit Steinen nach zwei Männern geworfen wurde, in Friedrichshain-Kreuzberg und in Tempelhof-Schöneberg, wo auch der „Regenbogenkiez“ liegt. Die Aufklärungsquote für die angezeigten Fälle liegt derzeit bei 50 Prozent. Damit ist sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozentpunkte gesunden. Allerdings dauern die Ermittlungen bei einigen der Taten noch an.

Die Polizei ruft die Bevölkerung auf, im Kampf gegen LGBTI-feindlichen Straftaten zu helfen

„Wie auch bei anderen Straftaten gilt, dass jeder Hinweis zählt: Das Mitwirken von Zeuginnen und Zeugen im Strafverfahren kann entscheidend sein, um Tatverdächtige zu ermitteln und eine konsequente Strafverfolgung gewährleistet zu können“, appelliert die Berliner Polizei in diesem Zusammenhang an die Bevölkerung.

Im Gegensatz zu anderen Polizeistellen im deutschen Sprachraum macht die Berliner Polizei Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung oder der Geschlechtsidentität gezielt öffentlich. Polizei und Staatsanwaltschaft haben auch eigene Ansprechpartner für sexuelle Minderheiten. Damit will die Behörde das Vertrauen der Betroffenen, die auch historisch bedingt nicht nur gute Erfahrungen mit der Polizei gemacht haben, stärken.

„Wir schauen bei menschenverachtenden Straftaten genau hin“, sagt die Polizeipräsidentin

Außerdem beteiligt sich die Berliner Polizei dieses Jahr an der berlinweiten Kampagne des Bündnisses gegen Homophobie. Im Kampf gegen Hasskriminalität und häusliche Gewalt teilte die Behörde die Hashtags „Reden ist Gold“ und „Liebe ist frei“ auf ihren Social-Media-Kanälen. Damit wollte die Polizei für LGBTI-feindliche Straftaten sensibilisieren sowie ihre Internet-Wache und das Deliktsfeld Zwangsheirat bekannter machen.

„Der Hashtag der diesjährigen Bündniskampagne ‚Reden ist Gold‘ gilt für uns als Polizei Berlin in besonderer Hinsicht: Wir schauen genau hin und wir ermitteln mit allen verfügbaren Ressourcen, wenn wir menschenverachtende Straftaten auftun oder sie uns gemeldet werden“, verspricht auch die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slowik der Community weiteren Einsatz gegen LGBTI-feindliche Straftaten.