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Modeschöpfer Pierre Cardin mit 98 Jahren gestorben

Mit vielen Ideen war er seiner Zeit voraus

Pierre Cardin
Terentiyeva/Wikipedia - CC BY-SA 4,0

Der französische Modeschöpfer Pierre Cardin ist tot. Geboren am 2. Juli 1922 in der Nähe von Venedig, starb einer der reichsten Männer Frankreichs gestern in einem Krankenhaus in Neuilly westlich von Paris. Revolutionär war sein Anspruch, Mode für die Massen zu kreieren. Über seine Homosexualität hat er lange geschwiegen.

Er habe „Frankreich und der Welt ein einzigartiges künstlerisches Erbe hinterlassen“, so seine Nichten und Neffen

„Ein Tag großer Traurigkeit für unsere ganze Familie, Pierre Cardin ist nicht mehr“, heißt es in einer Mitteilung seiner Nichten und Neffen. Er habe Frankreich und der Welt ein einzigartiges künstlerisches Erbe hinterlassen, so die Familie. Seine treibende Kraft sei die Arbeit gewesen.

Noch bevor Cardin im Jahr 1950 sein eigenes Atelier eröffnet hatte, sorgte er unter anderem bei Christian Dior für Aufsehen: Dessen „New Look“ hatte er über weite Teile auch seinem Assistenten Cardin zu verdanken. Zuvor lernte er bei den Pariser Modeschöpferinnen Jeanne Paquin und Elsa Schiaparelli das Handwerk.

Für einen Skandal unter den Pariser Modeschöpfern sorgte Pierre Cardin mit seiner ersten Prêt-à-porter-Kollektion 1958: Diese ließ er nicht nur mithilfe vom Nähmaschinen anfertigen anstelle sie von Hand nähen zu lassen, er bot sie auch noch in einem Kaufhaus an. „Wenn du schon kopiert wirst, kannst du es auch gleich selbst tun“, sagte Cardin später.

Cardin war Vorreiter bei der Lizenzierung von Produkten – der „Demokratisierung“ seiner Marke

Diesem Prinzip blieb der gebürtige Italiener treu: In den kommenden Jahrzehnten lizensierte er eine unüberschaubare Anzahl an Produkten mit seinem Namen: Ob Kinderwagen, Mineralwasser, Bettwäsche, edle Kugelschreiber oder Essbesteck – sogar Zigaretten gab es mit dem Namen des Designers, zur Vermehrung seines Ruhms und Reichtums.

Ihm gehörten hunderte Fabriken und Lizenzen auf der ganzen Welt, dazu mehrere Restaurants und Theater, ein Museum in Paris, ein Schloss und ein halbes Dorf. Cardin versteckte seinen Reichtum nicht: Er könne sich alles leisten, erklärte er einmal in einem Interview. Dafür schlug ihm auch Hass entgegen, sagte er einmal selbst.

Von Weltallflügen inspiriert war Cardins futuristische Mode

Neben Paco Rabanne und André Courrèges gilt Pierre Cardin auch als einer der Erfinder der futuristischen Mode: Nachdem 1961 der Russe Juri Gagarin auf den Mond geflogen war, experimentirerte der Modeschöpfer mit Vinyl, Plastik oder silberfarbenem Leder. Es entstanden astronautenähnliche Anzüge mit einem Helm – Kleider, die wie von einem fremden Planeten wirkten. 

Doch auch Herrenmode entwarf Pierre Cardin: Als erstes brachte er auch eine Kollektion für Männer auf den Markt. Ein Klassiker sind mittlerweile die Sakkos, die er für die Beatles entworfen hatte: Ohne Kragen und mit einem runden Ausschnitt.

Die Affäre mit Jeanne Moreau war leidenschaftlich – aber liiert war er mit seinem Assistenten

Doch so viel über die Entwürfe von Pierre Cardin gesprochen wurde, so wenig wollte er über sein Privatleben verraten. In den Schlagzeilen war er mit einer mehrere Jahre dauernden Affäre mit der Schauspielerin Jeanne Moreau. Sie soll ausgerechnet 1966 bei der Beerdigung seines ehemaligen Mentors Christian Dior ihren Anfang genommen haben.

Allerdings: Von Cardin war bekannt, dass er mit seinem Assistenten André Oliver liiert war. „Pierre ist homosexuell, trotzdem waren wir ein leidenschaftliches Paar“, erinnerte sich die vor drei Jahren verstorbene Moreau im Jahr 2013 in einem Interview mit dem Magazin Elle an die Beziehung zurück: „Er wollte gern ein Kind von mir, aber mit 33 bekam ich Krebs und konnte nicht mehr schwanger werden.“ 

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