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Corona: Schwul-Lesbisches Straßenfest in Berlin auf der Kippe

Wenn das Fest stattfindet, wird es vermutlich deutlich kleiner werden

Berlin: Nollendorfplatz
Standardizer/Wikimedia - CC BY-SA 3.0

In Berlin steht das beliebte schwul-lesbische Stadtfest im Nollendorfkiez wegen der Corona-Krise auf der Kippe. Das berichtet das LGBTI-Stadtmagazin Siegessäule. Die finanzielle Lage vieler Bars und ein mögliches Hygienekonzept machen eine Verschiebung des größten Stadtfests Europas in den Oktober nicht gerade einfach.

Geplant: Ein Termin im Oktober, unter strengen Hygieneauflagen

Vom ursprünglich geplanten Termin im Juli hat sich der Regenbogenfonds der schwulen Wirte, Veranstalter des Stadtfests, schon länger verabschiedet. Geplant war zunächst eine Verschiebung auf den September, aus der letztendlich der 2. und 3. Oktober wurde – sofern die Corona-Lage die Veranstaltung zulasse und auch das zuständige Bezirksamt zustimmt.

Doch das ist fraglich: „Die Chancen stehen derzeit nicht so gut, ein Fest mit 350.000 Besucher*innen mit Hygienekonzept durchführen zu können, aber die Hoffnung stirbt zuletzt“, gibt Olaf Möller vom Regenbogenfonds gegenüber der Siegessäule zu. Schließlich gehe es um Sichtbarkeit – und auch um die Umsätze des Wochenendes, die die Wirte nach den harten letzten Monaten dringend brauchen.

Die Unternehmer im Kiez brauchen die Einnahmen – aber können sie sich das Fest dieses Jahr leisten?

Denn die finanzielle Lage der Bars, Shops, Clubs, Veranstalter und Vereine ist nach über einem Jahr Lockdown mehr als angespannt – und das hätte auch Auswirkungen auf das Fest selbst, von den Standmieten über das Budget für Bühnenprogramm und Equipment. „Wir haben Vereinshilfen beim Senat für alle vier veranstaltenden queeren Vereine beantragt, damit Vorfinanzierungen von solch großen Veranstaltungen sichergestellt werden können. Eine Entscheidung vom Senat dazu steht aber noch aus“, so Möller.

Die zusätzlichen Hygieneauflagen könnten das schwul-lesbische Stadtfest weiter ausdünnen, die einzigartige Atmosphäre dieser Veranstaltung würde mit weniger Ständen und weniger Besuchern wohl nicht aufkommen. Szenewirt Ulrich Simontowitz vom Hafen in der Motzstraße plädiert deshalb für eine kleinere Veranstaltung. „Das wäre, wenn es denn möglich sein sollte, ein angemessenes ‚Aufwecken‘ der Szene“, sagt er der Siegessäule. Das volle Programm könne man dann wieder für 2022 planen.

Auch andere LGBTI-Großveranstaltungen wackeln oder wurden abgesagt

Auch sonst sieht es nicht rosig aus, was die großen LGBTI-Events in Berlin betrifft: Das LesBiSchwule Parkfest im Volkspark Friedrichshain musste bereits abgesagt werden, weil das Bezirksamt derzeit keine größeren Veranstaltungen genehmigt. Auch Easter Berlin, eines der größten Fetisch-Events Europas, fällt dieses Jahr erneut aus.

Ebenfalls unklar ist, ob, wann und unter wessen Organisation der CSD Berlin stattfindet: Ein neuer Trägerverein möchte die Parade am 11. September durchführen – vorbehaltlich aller Genehmigungen. Der alte Trägerverein hatte hingegen den 25. September als mögliches Datum kommuniziert.

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