Rausschmiss aus dem Priesterseminar: Jetzt spricht Prince Charming

Wegen eines Selfies mit Alexander Schäfer kann ein 21-Jähriger nun nicht mehr Seelsorger werden

Alexander Schäfer und Henry Frömmichen
privat

Weil er auf Instagram ein Selfie mit dem aktuellen „Prince Charming“ Alexander Schäfer gepostet hatte, ist der 21-jährige Henry Frömmichen aus dem Münchner Priesterseminar geflogen. Nun meldet sich Schäfer zum ersten Mal über den Vorfall zu Wort.

Ein Selfie mit Prince Charming auf Instagram kostete einen 21-Jährigen den Platz im Priesterseminar

Es war im Herbst letzten Jahres, als Henry Frömmichen auf dem Münchner Odeonsplatz zufällig Schäfer gesehen hatte. Zu diesem Zeitpunkt war er seit vier Monaten Priesterseminarist. Dass diese beiden Punkte nicht zusammenpassen sollten, dachte sich der junge Mann aus Baden-Württemberg zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

„Ich kannte ihn über Instagram – nicht über die Fernsehsendung, ich hab keine einzige Folge von ‚Prince Charming‘ gesehen. Was auch ganz lustig ist, um mich herum haben es dann alle gesehen, auch die im Priesterseminar, nur ich nicht. Und dann dachte ich, komm, den sprichst du jetzt einfach an, hab ich mich vorgestellt als Priesterseminarist.“

Was folgte, war ein „ein echt tolles Gespräch“, erinnert sich Frömmichen, in dem es unter anderem um das Spannungsfeld zwischen römisch-katholischer Kirche und Homosexualität ging. Wie beladen diese Beziehung ist, musste der 21-Jährige bald darauf selbst feststellen: Nach dem Posten des Fotos wurde er wegen seiner sexuellen Orientierung aus dem Priesterseminar geschmissen – obwohl der Regens des Seminars bereits vorher wusste, dass Frömmichen schwul ist. Der 21-Jährige ging daraufhin in die Öffentlichkeit.

Die Kirche schweigt – doch nun spricht Alexander Schäfer Klartext

Die Kirche schweigt zu dem Fall – offiziell aus Datenschutzgründen. Dafür hat sich jetzt Alexander Schäfer zu Wort gemeldet: „Ich habe ihn als netten Mann kennengelernt, der tolle Ziele und Visionen verfolgt. Als ich von seinem Verweis gehört habe, war ich natürlich schockiert. Deswegen finde ich es so gut, dass er seine Stimme nun nutzt, um auf diesen Missstand aufmerksam zu machen“, erklärt der amtierende „Prince Charming“.

Er selbst sei vor einigen Jahren aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten, würde sich selbst aber trotzdem als gläubig bezeichnen: „Der Glaube hat nichts mit der Sexualität zu tun – das sollte meiner Meinung nach im Jahre 2021 jedem bewusst sein. Jeder Mensch ist gleich, vor allem vor Gott“, so Schäfer.

Dass Frömmichen durch den Vorfall seine Reichweite in Sozialen Netzwerken steigern konnte und diese neue Popularität dafür einsetzt, auf die Missstände in der römisch-katholischen Kirche aufmerksam zu machen, gefällt Schäfer: „Instagram ist eine großartige Plattform, die man jedoch nicht nur nutzen sollte, um die perfekten Momente des Alltags festzuhalten, sondern eben auch dafür, auf Probleme und Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen“, erklärt er.