Welt-Aids-Tag: Corona als Herausforderung im Kampf gegen HIV

Zahl der HIV-Tests ging im letzten Jahr zurück - bleiben mehr Infektionen unentdeckt?

Sujetbild: Red Ribbon
Fotolia

Der 1. Dezember ist Welt-Aids-Tag. Dieses Jahr steht die Bekämpfung dieser Pandemie im Schatten einer anderen. Doch auch in Zeiten von Covid 19 bleibt es wichtig, Aufklärungsarbeit zu leisten – auch, wenn das in der aktuellen Situation für die österreichischen Aids-Hilfen nicht immer einfach ist.

Weniger Neuinfektionen durch weniger Tests?

Eigentlich sind die aktuellen Zahlen ein Grund zur Freude: Denn 2020, im ersten Jahr der Pandemie, dürfte die Zahl der Neuinfektionen um etwas mehr als 100 auf 332 gesunken sein. Doch viele Neuinfektionen könnten wegen der Coronavirus-Pandemie unentdeckt geblieben sein, fürchtet beispielsweise die Aids Hilfe Wien. „Es wurden viel weniger Tests gemacht und eingeschickt“, so Andrea Brunner, Geschäftsführerin der Aidshilfe Wien. „Auch wir von der Aidshilfe haben durch verringerte Öffnungszeiten weniger Personen getestet.“

Die Österreichische Aids Gesellschaft befürchtet deshalb, dass bereits erreichte Ziele bei der Bekämpfung von HIV und Aids durch die Coronakrise wieder verfehlt werden. Sie fordert, dass das Ausrollen von HIV-Präventionsangeboten, inklusive der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) Corona-bedingt nicht auf der Strecke bleiben dürfe.

Je früher die Diagnose erstellt wird, umso besser

Denn für HIV gilt: Je früher die Diagnose erstellt wird, umso besser kann die Infektion behandelt werden. Mit modernen Medikamenten kann die Viruslast so stark reduziert werden, dass sie nicht mehr nachweisbar ist und Betroffene auch niemanden mehr anstecken können. Die Betroffenen haben eine gute Lebensqualität und eine normale Lebenserwartung.

„Späte HIV-Diagnosen sind immer noch zu häufig“, mahnt die Österreichische Aids Gesellschaft. Der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) weist deshalb auf die Bedeutung von HIV-Tests hin. Eine Infektion mit HIV müsse heute nicht mehr zwangsläufig zu Aids führen: „Voraussetzung dafür ist aber, dass Betroffene um ihre Infektion wissen“, so Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog: „Wer einen HIV-Test macht, schafft Klarheit und kann gegebenenfalls früher behandelt werden und andere davor schützen, sich anzustecken.“

Tests seien leicht zugänglich, etwa über Apotheken, so der Pharmig-Generalsekretär. Die Österreichische Aids Gesellschaft betonte, dass auch im klinischen Alltag vermehrt über Sex, sexuelle Gesundheit und Infektionsrisiken gesprochen werden sollte, um Tests und Präventionsmaßnahmen gezielt einsetzen zu können.