Kamerun: Biden ernennt offen schwulen US-Botschafter

Trotz Verfolgung Homosexueller wird Christopher Lamora der neue Gesandte Washingtons

Christopher Lamora
Courage Ahiati/US-Botschaft Ghana

Ein deutliches Zeichen für LGBTI-Rechte in Afrika setzt US-Präsident Joe Biden: Er hat den offen schwulen Diplomaten Christopher Lamora zum Botschafter in Kamerun ernannt. In dem Land werden gleichgeschlechtliche Handlungen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft. Der Senat hat nun die Personalie bestätigt. In der kamerunischen Community sorgt die Bestellung des 52-Jährigen für Hoffnung.

Freude bei der Community, Ärger bei Ultrakonservativen

„Unglaublicher Joe Biden. Wir lieben dich!“, freute sich etwa die LGBTI-Menschenrechtsanwältin Alice Nkom, als die Personalie in April öffentlich wurde – und fügte hinzu: „Willkommen, Botschafter Christopher Lamora! Willkommen in Kamerun, dem Land der Toleranz, Gastfreundschaft und Brüderlichkeit!“

In Grenzen hielt sich die Bestellung von Lamora allerdings bei Konservativen. Der römisch-katholische Priester Etiene Bakaba forderte die Regierung seines Landes auf, den künftigen US-Botschafter aufgrund seiner sexuellen Orientierung nicht zu akzeptieren. „Zur Erinnerung, Homosexualität ist nach kamerunischem Recht, dem göttlichen Naturrecht, ein Verbrechen“, so Bakaba.

Bis zu fünf Jahre Haft für Homosexualität – und die Verfolgung nimmt zu

Homosexualität ist in Kamerun seit 1972 eine Straftat, es drohen bis zu fünf Jahre Haft. Gleichgeschlechtliche Handlungen werden zwar nicht systematisch verfolgt, in Einzelfällen kann es aber durchaus zu einer Anklage und einer Verurteilung kommen. Das betrifft auch Ausländer:innen, wie das deutsche Außenministerium warnt. Der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge kommt es in den letzten Monaten sogar zu einem „allgemeinen Anstieg der Polizeiaktionen“ gegen sexuelle Minderheiten.

In einer offiziellen Stellungnahme zu seiner Bestellung sagte Lamora im Juni, dass Kamerun vor vielen Herausforderungen stehe. Vor allem die Gewalt in gewissen Gebieten mache im Sorgen. Auf die LGBTI-Community ging er in dieser Stellungnahme nicht explizit ein – er meinte lediglich, dass „noch erhebliche Arbeit zu leisten ist, um Demokratie und Menschenrechte zu fördern“.

Lamora hat fast dreißig Jahre diplomatische Erfahrung

Christopher Lamora hat fast dreißig Jahre Erfahrung im diplomatischen Dienst. In den letzten zwölf Jahren hat sich der 52-Jährige auf die Bereiche Afrikapolitik, Sicherheit, wirtschaftliche Entwicklung und Partnerschaften konzentriert. Er ist verheiratet.

Vor seiner Bestellung zum Botschafter von Kamerun war Lamora stellvertretender Missionschef in Ghana. Auch dort werden gleichgeschlechtliche Handlungen kriminalisiert. Es gibt dort derzeit sogar Pläne, die Höchststrafe von drei auf zehn Jahre zu erhöhen – und auch die Hilfe für sexuelle Minderheiten zu kriminalisieren.