Freitag, 19. Juli 2024
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Formel 1: Spielbergs Problem mit Sexismus, Homophobie und Rassismus

Bereits in den letzten Jahren sind die Fans durch inakzeptables Verhalten aufgefallen - und sie konnten dieses Jahr weitermachen

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Wieder ist Österreich mit ungewollten Schlagzeilen in den internationalen Medien: Beim Großen Preis von Österreich, der dieses Wochenende im obersteirischen Spielberg stattgefunden hat, fielen Fans mit frauenfeindlichem, homophobem und fremdenfeindlichem Verhalten auf. Die Formel 1 hat die Vorfälle mittlerweile verurteilt – dabei ist es nicht das erste Mal, dass Spielberg dadurch negativ auffällt.

Sexuelle Belästigungen, homophobe Beschimpfungen und rassistische Beleidigungen

So haben mehrere weibliche Fans berichtet, sie seien am Gelände des Red-Bull-Rings sexuell belästigt worden. Die Rede ist von verbalen Belästigungen, unangebrachten Fotos oder unerwünschten körperlichen Annäherungen. Ein Mädchen, das Eis verkauft hat, sei pausenlos von älteren betrunkenen Männern belästigt worden. 

Einem weiblichen Fan von Rekord-Weltmeister Lewis Hamilton soll von Verstappen-Anhängern, die zu Zehntausenden in die Steiermark gefahren waren, gesagt worden sein, dass sie keinen Respekt verdienen würden. Dazu gibt es Berichte über unangemessene und sexistische Sprüche bis hin zu homophoben und rassistischen Äußerungen.

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Als Hamilton einen Unfall in der Qualifikation hatte, hätten Fans des derzeitigen WM-Führenden Max Verstappen geklatscht. Österreichische Fans hätten, berichtet die Bild-Zeitung, bei dem Unfall „Das hast du verdient, scheiß N****!“ gerufen. Ein Verhalten, das nicht nur Hamilton irritiert hat: „Wir dürfen uns nicht zurücklehnen und erlauben, dass das so weitergeht“, forderte er danach.

Die Formel 1 nimmt die Vorwürfe sehr ernst, auch die Fahrer sind entsetzt

Verifizieren ließen sich viele der Schilderungen zunächst nicht. Trotzdem: Die Formel 1 „nimmt den Vorfall sehr ernst“: „Es gibt Nachrichten von Frauen, nicht verbreitet, aber schon eine einzige ist zu viel“, so Kommunikationschef Liam Parker.

In einer offiziellen Stellungnahme sprach die Formel 1 von „völlig inakzeptablen Kommentaren“, man nehme „diese Angelegenheiten sehr ernst“. Noch deutlicher wurde Hamilton: Er sei „angewidert und enttäuscht zu hören, dass einige Fans mit rassistischem, homophobem und generell beleidigendem Verhalten“ konfrontiert seien.

Für Hamilton ist klar: Der Besuch eines Formel-1-Rennens dürfte nie Auslöser für Angst und Schmerz sein. „Es muss etwas unternommen werden, damit die Rennen sicher sind“, so der Brite. Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner forderte, die Tribünen sollten „sichere Orte für Fans“ sein, „damit sie unseren Sport genießen können“.

Vettel fordert lebenslanges Verbot für Rülpel-Fans

Noch deutlicher wurde Sebastian Vettel: „Wer auch immer diese Leute sind, sie sollten sich schämen und auf Lebenszeit von Rennveranstaltungen ausgeschlossen werden“, forderte der viermalige Formel-1-Weltmeister eine Null-Toleranz-Politik.

„Wer auch immer belästigt oder missbraucht, egal ob sexuell, homophob oder rassistisch: Das ist einfach hirnlos, Alkohol kann da keine Ausrede sein. Dann kannst du kein Formel-1-Fan sein, wir wollten dich nicht“, meinte auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Bereits in den letzten Jahren gab es in Spielberg ähnliche Vorfälle

Überraschend kommen die minderheitenfeindlichen Vorfälle in Spielberg nicht. Bereits in den letzten Jahren sind die überwiegend niederländischen Fans durch inakzeptables Verhalten aufgefallen – auch auf den Campingplätzen rund um die Strecke. Der Veranstalter hat darauf aber offensichtlich unzureichend reagiert. 

Nun müssen sich Veranstalter und Sicherheitsdienst gegenüber der Formel 1 rechtfertigen. Diese hat außerdem angekündigt, mit jenen Personen sprechen zu wollen, welche die Vorfälle gemeldet haben.

Bei den Veranstaltern gibt man sich schmallippig. Erich Wolf, Geschäftsführer des Red-Bull-Rings, sagte am Montag knapp: „Die Vorfälle werden in enger Abstimmung mit der FIA in den nächsten Tagen und Wochen aufgearbeitet.“ Man kehre die Sache bestimmt nicht unter den Teppich, wurde versichert.