Affenpocken-Impftermine in Wien nach vier Minuten nicht mehr verfügbar

Sujetbild: Impfung
Sujetbild - Adobe Stock

Am Montag hat die Stadt Wien 350 weitere Affenpocken-Impftermine freigeschaltet – auch diesmal waren sie innerhalb weniger Minuten vergeben. Seit Mittwoch wird der Impfstoff auch verimpft. Der zuständige Gesundheitsstadtrat Peter Hacker von der SPÖ betont: „Wir brauchen dringend mehr Affenpocken-Impfstoff vom Bund“ – doch auch der hat nicht so viel zur Verfügung wie nötig.

Wer gleich nach der Verständigung einen Termin suchte, war schon zu spät dran

Es war 12.29 Uhr, als jene, die sich zur Affenpocken-Impfung vorgemerkt hatten, eine SMS bekamen: Neue Termine wären buchbar, hieß es darin. Doch nach Recherchen von GGG.at waren die neuen Termine für die Impfung im städtischen Impfservice-System um 12.33 Uhr bereits vergeben. Die Situation erinnert an die Freischaltung der ersten Termine eine Woche zuvor – wo auch nach einer halben Stunde alle Termine vergeben waren.

Derzeit könnten im Austria Center Vienna 86 Menschen pro Tag gegen Affenpocken geimpft werden, die Stadt Wien hat ihre Infrastruktur der Nachfrage angepasst. Denn bis jetzt haben sich bereits mehr als 2.200 Menschen für die Impfung registriert. Bis sie allerdings tatsächlich einen Termin bekommen, kann allerdings noch einige Zeit vergehen.

Affenpocken-Impfstoff ist in Österreich Mangelware

Denn Österreich hat nur jene 4.340 Impfdosen zur Verfügung, die es aus dem EU-Kontingent bekommen hat. Anders als beispielsweise Deutschland wurde kein zusätzlicher Impfstoff auf dem freien Markt beschafft – ein Akt der europäischen Solidarität, wie man im Gesundheitsministerium betont. Von diesen Impfdosen sind allerdings zwei Drittel für jene reserviert, die nachgewiesenermaßen Kontakt zu einer infizierten Person hatten.

Für den Wiener Allgemeinmediziner Horst Schalk, der in seiner Praxis fast jeden zweiten Affenpocken-Fall in Österreich behandelt, ein Unding: „Das ist dann sozusagen erst mit der Feuerwehr zu kommen, wenn es brennt. Sinnvoller wäre es, sie als Schutzimpfung zu verwenden und nicht nach einem Kontakt erst“, ärgert er sich.

Österreichweit nur 3.580 Schutzimpfungen möglich – in Wien alleine gibt es 2.200 Anmeldungen

Denn so stehen österreichweit nur 1.432 Impfdosen für Schutzimpfungen zur Verfügung.  Mit einer Impfdosis können fünf Menschen intradermal geimpft werden, für einen vollständigen Impfschutz braucht es zwei Impfungen. 

Affenpocken: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Das heißt, in ganz Österreich können mit dem vorhandenen Impfstoff nach den derzeit geltenden Regeln höchstens 3.580 Menschen geschützt werden – wenn er in den Bundesländern so verteilt werden würde, wie er auch gebraucht wird. Nach einem aktuellen Erlass von Gesundheitsminister Johannes Rauch von den Grünen bekommt ein Bundesland Nachschub, wenn 40 Prozent der für Schutzimpfungen vorgesehenen Dosen verimpft worden sind.

Hacker: „Situation für alle Beteiligten maximal frustrierend“

Doch das ist nicht genug: „Mit den bisher zur Verfügung gestellten Impfdosen können wir nicht einmal ein Drittel der in Wien vorgemerkten Personen schützen, geschweige denn das betreffende Gesundheitspersonal. So, wie die Situation jetzt ist, ist das für alle Beteiligten maximal frustrierend“, ärgert sich Hacker gegenüber dem ORF Wien .

Entspannen könnte sich die Situation erst nächstes Jahr: Denn bis dahin soll die neue Lieferung des von der EU bestellten Impfstoffs gegen Affenpocken kommen – mit der auch weitere Menschen vorbeugend geimpft werden können.